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Ein neuer Falke für den Aero-Club - Reisebericht

Die erste Besichtigung
Noch vor Morgengrauen, um 04:00 Uhr des 05.10.2017 trafen sich Max Dorsch und ich zu einer „Ausfahrt“. Wir hatten uns verabredet mit dem Auto nach Texel in Holland zu fahren, um den dort stationierten Scheibe Falken mit der Kennung PH-1388 zu besichtigen. Aus vorangegangenem Schriftverkehr mit dem holländischen Eigentümer Pieter wussten wir, dass der Falke von 1997 bis Ende 2006 auf der Wasserkuppe geflogen wurde. Seit der Überführung nach Texel im Dezember 2006 war das Flugzeug am Boden, es wurde der neue Motor eingebaut, die Zelle gepflegt und gewartet. Aus gesundheitlichen Gründen möchte Pieter das Flugzeug jetzt verkaufen.

Nach ca. acht Stunden Autofahrt, bei zum Teil regnerischem Wetter, waren wir in Den Helder, der Fährstelle auf dem niederländischen Festland, angekommen. Noch etwa eine Stunde und wir konnten das potentielle neue Flugzeug, welches als Ersatz für die D-KEIJ und als Alternative zur D-EITR im F-Schlepp gedacht ist, für den Verein in Augenschein zu nehmen. Bis dato kannten wir das Flugzeug nur von ein paar Fotos aus der Annonce. Verabredet waren wir mit Piet am Paracentrum Texel, dem Fallschirmsprungunternehmen am Flugplatz Texel. Der Rumpf sollte dort in der Flugzeughalle stehen. Pieter, ein „alter“ Antonov AN-2 Veteran, erwartete uns bereits und ich hatte den Eindruck, dass er sich freute uns zu sehen. Wir dagegen hatten mittlerweile nicht viel mehr anderes im Sinn als endlich den Falken zu begutachten. Der stellte sich dann als „gar nicht so schlecht“ heraus. Bespannung und Lack waren gut und Pieter hatte einiges investiert: Motor neu, Propeller grundüberholt, ein neues 8,33-kHz-Funkgerät sowie einen neuen Transponder und einen ELT eingebaut. Der Rumpf passte also schon mal.

Auch die Tragflächen und das Höhenleitwerk, welche einige Kilometer entfernt vom Rumpf in einer anderen Halle standen, machten einen ordentlichen Eindruck. Wir dokumentierten alles per Foto um zu Hause in Ruhe eine Auswertung vornehmen zu können. Während dieser Besichtigung, unweit eines auf einem Hänger stehenden L-Spatz, sagte Pieter: „If you buy the Falke, you can have this trailer with the L-Spatz, too.“ Na das könnte noch interessant werden… auch wenn der L-Spatz im Moment keinen wirklichen finanziellen Wert darstellt, so könnten wir doch im Winter Spaß am Wiederaufbau dieses Zeitzeugen des Segelfluges haben. An dieser Stelle möchte ich allen die Lust dazu haben anbieten, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Nachdem die blaue Halle entrümpelt und aufgeräumt ist, was ja wie bereits angedroht demnächst passieren soll, wäre auch eine Winterwerkstatt dafür vorhanden.

Für Max und mich hieß es jetzt aber erst einmal zurück zur Fähre, denn die setzt nur einmal pro Stunde über und wir hatten doch noch ein paar Kilometer vor uns. Autofahrt uninteressant, nach gesamt 20 Stunden on tour waren wir wieder zurück in Bamberg.

Die Überführung
Nach technischer Auswertung der Fotos mit Reinhold und letzten Absprachen bzgl. Versicherung mit den Vorständen Hanno und Matthias kam dann das Go, es konnte losgehen. Beim nächsten fliegbaren Wetter wollten wir die PH-1388 von Texel EHTX nach Bamberg EDQA überführen. Laut Wettervorhersage könnte das Wetter am Freitag, 13.10.2017 und Samstag, 14.10.2017 mitspielen. Wir planten eine Übernachtung ein, da mit Testruns und Einweisungsflügen die Zeit schnell vergehen würde. Das Wetter entwickelte sich zwar nicht ganz so wie vorhergesagt, aber am Freitagmittag konnte es mit der D-EJFF losgehen. Hanno Stock hatte sich bereit erklärt zu fliegen, Gerhard Herbst konnte ich als Co-Pilot gewinnen, Max und ich waren für den Rückflug des Falken zuständig. Der Flugplan war aufgegeben und es ging auf nach Texel, der westlichsten der westfriesischen Inseln, ca. 100 km nördlich von Amsterdam an der Nordseeküste. Auf dem Hinflug am Freitag machte uns anfangs niedrige Bewölkung zu schaffen, aber für erfahrene und routinierte Piloten wie Hanno und Gerhard kein Problem. Nach der Röhn und dem Sauerland flogen wir im Ruhrgebiet in besseres Wetter, bis endlich das IJsselmeer bzw. die Nordsee zu sehen waren. Wir flogen meist in Ufernähe oder dem Houtribdijk, dem Markermeerdeich, der das IJsselmeer vom Markermeer trennt, um im Falle eines Motorausfalls nicht notwassern zu müssen, sondern auf der Straße auf dem Damm notlanden zu können. München Information, Langen Information und Dutch Mil hatten uns aber immer auf dem Schirm, wie beruhigend. An der Nordseeküste erwartete uns dann ein beeindruckender Near-Shore-Windpark, die größte derartige Anlage in den Niederlanden.

Im Anflug auf Texel war die Grasbahn des Flugplatzes trotz ihrer Größe von 1115 m x 40 m auf Grund der Sichtverhältnisse schwer erkennbar, aber nach der Landung und als die D-EJFF sicher abgestellt war, konnten wir die PH-1388 das erste Mal aufgerüstet in Augenschein nehmen, bisher kannten wir das Flugzeug ja nur in abgerüstetem Zustand. Unser Eindruck: super!

Am frühen Abend ließen wir uns dann die holländische Küche in einem Restaurant direkt an Dünen schmecken um nach der Flugvorbereitung im Hotel für den Abend gewappnet zu sein, denn an diesem Wochenende war das Festival Texel Blues, für uns der ideale Anlass noch einmal loszuziehen und das Inselnachtleben kennenzulernen. Bei für Herbst angenehm milder maritimer Witterung drang Bluesmusik aus verschiedenen Kneipen und wir genossen unser Feierabendbier.

Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück von Pieter am Hotel abgeholt und wir fuhren zum Flugplatz. Die Einweisungsflüge standen an und während wir noch zögerlich in den Himmel schauten, liefen schon die ersten Fallschirmspringer zur Absetzmaschine, einer Cessna 208, die wenig später startete.

Nachdem das Wetter aufgeklart hatte bekamen Gerhard, Max und ich unsere Einweisungsflüge durch Pieter und konnten die Insellandschaft von oben bewundern. Vor allem Max und mir saß die Zeit ein wenig im Nacken, denn wir mussten mit dem Motorsegler und nicht mit der PA-28 Kurs 132 nach Bamberg. Nachdem die Lufttüchtigkeit definitiv festgestellt und auch Pieter zufrieden war, konnte es losgehen. Flugvorbereitung erledigt, Flugplan aufgegeben, ready for departure entlang der Küste, ab nach Deutschland. Kurzer Zwischenstopp zum Tanken in Meschede EDKM, Pilotenwechsel und weiter. Als wir an der Wasserkuppe, der Heimat des Falken bis 2006 vorbeiflogen, wussten wir, dass es so gut wie geschafft war und wir mit etwas Zeitpuffer noch vor Sunset landen würden.

Nach einem kurzen Überflug in Bamberg flogen wir in die Platzrunde ein um die PH-1388 ihrem neuen Standort vorzustellen. Hier wurden wir von den Fliegerkollegen bereits erwartet und herzlich in Empfang genommen.

Ich wünsche uns viel Spaß und viele schöne Flüge mit dem Falken!

Gerhard hat ein schönes Video von der Überführung des Falken erstellt. Wer es noch nicht kennt, hier geht´s zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=9w7t_iebwMk

Sebastian Bruha

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