Aktuelle Informationen

 

Pro_Modellflug

Bundesligaaufstiegskampf am 28.06.2014

Die Erfahrung sagt, dass die meisten Bundesligapunkte an Schlechtwettertagen erflogen werden. Am Wochenende war grottenschlechtes Wetter für ganz Deutschland vorhergesagt.

Als ich am Samstag zum Flugplatz kam, hing bereits Harry in seiner ASW22  in Ameisen-Kniescheibenhöhe über Hallstadt wie „ein Schluck Wasser in der Kurve“. Als ich den Blinker zum Parkplatz setzte, ging er in den Endanflug und landete. Das machte mir echt Mut. Die Frage ob ich überhaupt aufbauen sollte, kam in mir hoch. Letztlich waren dann im Osten doch ein paar Wolken, die mich lockten. Aufbau, Taxi zur Piste und Start mit Wind in Rekordzeit (Danke Dieter), um die Wolken bei der Giechburg noch zu erreichen. Der starke Westwind (zerrissene Thermik) verhinderte aber ein Durchstarten nach oben, die Wolkenbasis schien unerreichbar hoch. Ich selbst kam nicht  höher als 1000m MSL.  Also schlich ich Richtung Osten den schönen Wolken hinterher.

Über dem fränkischen Jura hatte ich eine Flughöhe über Grund von 300 - 500m. Schließlich kam ich in Kulmbach knapp unter Hangkante (Flugplatz liegt auf einer Hochebene) über der Innenstadt an. Jetzt galt es: Alles oder Nichts. Flugplatz war unerreichbar, aber mein Aussenlandefeld vom Jahr 2010 war immer noch da und in einem landbarem Zustand. Ich krallte mich also am geringsten Aufwind fest und schraubte mich in einem Feingewinde wieder in die Höhe.  Weiter ging es den schönen Wolken hinterher, ohne sie bisher erreicht zu haben, Richtung Zell-Haidberg. Dort wieder in einer Höhe von 272m AGL angekommen  begann das gleiche Spiel von vorne. Nur diesmal hatte ich das Glück den Aufwind so frühzeitig zu erwischen, dass ich bis an die Wolkenbasis steigen konnte. Von nun an ging es im Geradeausflug mit stellenweise 30 km/h Rückenwind Richtung Nordost.  Ca. 5 km südlich vom Klingenthal (bereits in Tschechien), kam mir doch der Heimweg wieder in den Sinn und dass ich dann ja 30 km/h Gegenwind haben würde. Also rauf an die Basis und Kurs Heimat. Das war der Plan, der auch  bis zur letzten Wolke bei Rehau gut funktionierte. Dann ließ eine obere 8/8-Wolkenschicht keinen Sonnenstrahl mehr durch und die Thermik ging zügig zu Ende. Meine Bundesligawertungszeit war aber noch nicht um. Ich könnte noch gute 30 Minuten Streckenkilometer sammeln, aber wie? Also, wie war das noch: Bestes Gleiten bei 110 km/h. Wegen Gegenwind diese Geschwindigkeit erhöhen.  Ausgangshöhe des Bundesligazeitfensters war bei ca. 1000m MSL, ich hatte jetzt 2200m. Es galt also die 1200m Höhenüberschuss auf 30 min zu verteilen und maximale Strecke zu machen. Aufwinde waren nicht mehr zu erwarten. Der letzte Flugplatz vor Bamberg war Bayreuth (der Hilfsmotor wird grundsätzlich nur über Flugplatz oder Außenlandefeld ausgefahren!!!). Nach 27,5 min passierte der Höhenmesser die 1000m-Marke. Das wars mit Bundesliga.

 Jetzt hieß die Aufgabe: Heimkommen. Bamberg war 500m unter meinem Gleitpfad, Bayreuth noch 150m innerhalb des Gleitpfades. Also jetzt Motor raus, wenn er anspringt Kurs Heimat, wenn er nicht anspringt nach Bayreuth. In diesem Moment flog ich in einen Schauer. Keine Ahnung ob der Regen am Startverhalten etwas ändern würde. Also Motor raus und… er springt tadellos an. Durchatmen.

 Der Regen wird immer dichter, die Sicht immer schlechter. Bodensicht ist ok. Doch nach Bayreuth? Eine Anfrage am Heimatplatz schaffte Klarheit. Das Wetter würde trotz des Regens halten. (O-Ton Tamara am Turm: „Augen zu und durch!“).  Ich steige mit Motor von 500 auf 1000m AGL, dann droht Einflug in Wolken, bin aber erst  knapp über dem Gleitpfad. Mit Halbgas im Geradeausflug spüre ich starke Vibrationen vom Motor. Also Motor aus und Gleitflug. 200m über Gleitpfad … im Regen. Das wird spannend. Wenigstens hat der Gegenwind nachgelassen. Mit zwei Fingern am Steuerknüppel und Bestglide komme ich in Bamberg mit 81 m Höhe AGL an. 

Obwohl ich bei marginalem Wetter 204 km/72,06 Bundesligapunkte einheimsen konnte, ist diese Leistung nur im Zusammenhang mit der Teamleistung an diesem Tag ein Erfolg. Harry (ISI) war noch mal gestartet und hat zusammen mit Reinhold (JF) auf reinen Segelflugzeugen jeweils 50 bzw. 54 Punkte erflogen.  Franz war auch gestartet, musste aber wegen dem schlechten Wetter hinter Ebern frühzeitig die Segel streichen. Insgesamt sind wir durch unsere Teamleistung bis auf einen Punkt an den Spitzenreiter in der Bundesligatabelle herangerückt.

Es bleibt spannend! Das nächste Wochenende kommt bestimmt, dann werden wieder neue Aufgaben zu lösen sein und andere Piloten aus unserem Team in die Bresche springen.

Gerhard
OS

Bildergalerie

Hinterlasse deinen Kommentar

0