Aero-Club Bamberg e.V.
3 Tage Nordsee

ein Reisebericht von Gerhard Herbst und Max Dorsch

Seit langem stand die Insel Helgoland als Flugziel auf meiner ToDo-Liste. Mehrmals mussten bereits aufgegebene Flugpläne wieder gecancelt werden. Aber diesmal spielten alle mit: das Wetter, der Copilot und eine longrangetaugliche Maschine, die D-EDQA.

Nachdem die Wetterprognose schon seit Tagen die Durchführbarkeit des Fluges andeutete, war es am 17.9.2018 endlich soweit. Als Copilot hat Max Dorsch zugesagt. Treffen und Flugzeug ausräumen hat am Montag, planmäßig ab 6.00 Uhr UTC stattgefunden. Da wir nur zu zweit unterwegs waren und die Versorgung mit Diesel an den geplanten Flugplätzen nicht gegeben war, haben  wir die QA randvoll getankt. Obwohl die Tankanzeige vor dem Tanken nur halbvoll anzeigte, konnten wir nur noch 30 Liter bis zur Oberkante Unterlippe in beide Tanks nachfüllen. 

Als Startzeit war im Flugplan 6.30 angegeben, um 06.44 verlässt die QA die Breitenau. Der frühe Start ist dem Umstand geschuldet, dass EDXH von 10.00 Uhr bis 12.20 UTC Mittagspause macht und man gnadenlos abgewiesen wird, wenn man zu spät kommt. Die Flugroute nach Helgoland ist relativ einfach: Direct to EDXH mit einem kleinen Abstecher zur Porta Westfalica (Diese steht in diesem Winter noch auf dem (Hang-)Flugprogramm, dann aber mit dem Segelflugzeug). Von der Porta geht es weiter über Wangerooge hinaus aufs offene Meer. Von Wangerooge nach Helgoland sind es nur 24 NM. Trotzdem beschleicht einem ein kleines Bauchkribbeln, wenn man in den leichten Dunst über der Nordsee in ein "Nichts" hinein fliegt. Aber nur wenige Minuten später ist unser Ziel in Sicht. Schon aus der Ferne erkennen wir im fast karibisch blauen Meer die Insel Helgoland und Helgoland-Düne. Auf der zweiten ist auch der Flugplatz. Die nur 370 m lange Piste 21 stellt, für den Segelflieger in uns, der es gewohnt ist nicht durchzustarten, keine Schwierigkeit dar. Man darf sich nur nicht von den Strandspaziergängern, die im Anflug nach irgendwelchen Muscheln suchen, irritieren lassen. Diese werden in einer Höhe von ca. 5 m überflogen. 

Touristisch ist Helgoland genau das, was wir erwartet hatten: Sonne, Wind und Meer, Wellen, roter Sandsteinfelsen, Basstölpel und Sonnenuntergang am Lummenfelsen, die Möwen beim Hangflug beobachtend. Der Einkauf in den zahlreichen Geschäften lohnt, obwohl keine Mehrwertsteuer erhoben wird, nicht. Hier hat der findige Helgoländer schon vorher den Preis so gestaltet, dass auch nach Abzug der MWSt, kein Schnäppchen übrig bleibt. Nur am Flugplatz könnte man für 1,88 Euro pro Liter Avgas tanken, wenn, ja wenn wir nicht mit der Dieselmaschine unterwegs wären.

Am nächsten Tag stand der Weiterflug nach Sylt auf dem Programm. Vorher machten wir noch einen Besuch am Strand, um die Seehundkolonie aus der Nähe zu beobachten. Auch hier mussten wir wieder rechtzeitig vor der Mittagspause des Flugplatzes in die Luft kommen. Der Flug über das Meer erzeugte am zweiten Tag schon weniger Kribbeln im Bauch. Der Flug nach St. Peter-Ording und dann über das Wattenmeer nach Norden, Richtung Sylt, ist beeindruckend. Der Anflug auf Westerland, die Westküste von Sylt nordwärts entlang und dann Rechtsturn ins Endteil der Piste 14, bringt uns ans Tagesziel. Bei der "Einreise" werden, als wir unseren Departure Helgoland nennen, unsere Taschen vom Zoll durchsucht. Wir könnten ja schließlich eine Stange MWSt-freie Zigaretten oder eine Flasche Rum schmuggeln. Da wir sowieso noch auf den Mietwagen warten müssen, entlockt uns dieses Kapitel nur ein müdes Lächeln. Der Mietwagen ist, einschließlich Bring- und Holservice zum GAT und Vollkaskoversicherung ohne Eigenbeteiligung, für 70 Euro für eineinhalb Tage relativ günstig. 

Fliegerhistorisch besonders interessant: Am roten Kliff von Kampen, das lediglich bis zu 30 Meter hoch ist, wurde 1937 ein Dauersegelflugrekord von 41 Stunden aufgestellt. Später wurden diese Rekorde von der FAI nicht mehr ausgeschrieben, weil, bei immer längeren Flugzeiten, Unfälle durch Übermüdung der Piloten vorprogrammiert waren und auch passierten.

Am dritten Tag brachen wir am Nachmittag zum Rückflug nach Bamberg auf. Die Reichweite des Flugzeuges würde, bei einer Spritberechnung mit Verbrauch von 25 Liter in der Stunde, ausreichen, um ohne nachzutanken bis nach Bamberg zu kommen. Aber uns lagen keine eigenen Erfahrungen zum Spritverbrauch der QA vor. Außerdem mussten wir auf der Strecke mit einem strammen Gegenwind von bis zu 25 Knoten im Küstenbereich rechnen. Also wurden 40 Liter Jet A1 getankt. Eine Entscheidung die sich als richtig erweisen sollte.  Ein "direct to" EDQA führt genau westlich am Luftraum von Hamburg und östlich am Luftraum von Bremen vorbei. Hannover Airport mit seinem Luftraum Delta liegt jedoch genau auf der Flugroute. Der Gegenwind war in größeren Höhen deutlicher ausgeprägt als in tieferen Schichten, also sind wir in nur 2500 ft über das Wattenmeer Richtung Süden geflogen. Für ein Midfield Crossing über den Hannover Airport hat uns der Lotse von Bremen Radar eine Höhe von 5000 ft zugewiesen. Nachdem wir den Luftraum Delta von Hannover wieder verlassen hatten, blinkte zum ersten mal die gelbe "Low fuel"-Warnleuchte des linken Tanks zu unserem Erstaunen kurz auf. Um die Gleitstrecke des Flugzeuges zu erhöhen stiegen wir auf FL 75. Das Aufblinken des Warnlichtes häufte sich und schließlich wurde querab von Erfurt ein Dauerleuchten daraus. Der rechte Tank zeigte noch einige Gallonen mehr Sprit an als der linke. Der Verbrauch wurde ständig überprüft und optimiert. Schliesslich wurden alle Ausweichflugplätze verworfen, als mit ziemlicher Sicherheit Bamberg erreichbar war. Bei der Landung waren schließlich laut Anzeige noch ca. 1 Gallone im linken Tank und 3 Gallonen im rechten Tank. Wie weit diese Menge ausfliegbar gewesen wäre...?

Als Anmerkung sei noch erwähnt, dass für Landungen auf Helgoland eine Mindestflugerfahrung des PIC von 100 Stunden gefordert wird. Die Aufgabe eines Flugplanes ist nur für UL und MoSe verbindlich, jedoch haben wir darauf aus Sicherheitsgründen nicht verzichtet. Weiterhin hatten wir Rettungswesten vor dem Start angelegt und ein Notfunkgerät seewasserfest verpackt.

Fazit: Die Nordsee mit Helgoland und den Ost- und Nordfriesischen Inseln ist ein Abenteuer, das man jedem Piloten nur empfehlen kann. 

Anbei ein Video von unserer Nordseereise (Oder via Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=TILtuUI3tlk).

Gerhard und Max