Aero-Club Bamberg e.V.
Bitterwasser Cup 2019/2020

Wenn daheim in Europa die stille Zeit anbricht und starke Aufwinde und Wolkenstraßen nur noch in unseren Erinnerungen existieren, dann beginnt die Flugsaison auf der Südhalbkugel. Segelfliegen in Namibia, was für eine Sache! Aufwinde, Basishöhen, Sichtweiten und Wolkenstraßen ein bis zwei Nummern größer und besser als an den besten Tagen in Europa!
 

Max Dorsch vor dem Start in Bitterwasser
Max Dorsch vor dem Start in Bitterwasser


Während man am Anfang des Fluges in der Blauthermik noch etwas angespannt und sehr konzentriert ist, realisiert man erst wirklich, was um einen herum geschieht, wenn man von dem ersten Hammerbart unter einer der ersten Wolken, die sich gebildet haben, wach gerüttelt wird. Eine Sichtweite fast bis ins Unendliche. Eine atemberaubende Landschaft. Schroffe Felsen, die an die Mondoberfläche erinnern, sandgelbe Wüsten und die endlose Steppe. Einzigartig. Und genauso endlos, wie sich die Landschaft am Boden erstreckt, erstrecken sich die Schönwettercumuli am sonst tiefblauen Himmel. Jetzt muss ich wohl im Paradies für uns Segelflieger angekommen sein.
 

Blick über den Gamsberg in Richtung Süden
Blick über den Gamsberg in Richtung Süden


Vom Bitterwasser Lodge & Flying Centre nach Bitterwasser eingeladen durfte ich mich zehn Tage lang mit dem neuen Ventus 3M im namibischen Luftraum austoben. Zwar ist der Januar bereits das Ende der eigentlichen Saison, wie sich aber herausstellen sollte, hatte ich es mit dem Wetter verglichen zu der bis dahin schon vergangenen und eher durchschnittlichen Saison sehr glücklich getroffen. Nach einem etwas kleineren Flug zur Eingewöhnung standen mir drei Tage mit sensationellen Bedingungen bevor. Entlang der Naukluftberge, die sich an der Grenze zwischen der Wüste Namib und der Kalahari befinden, konnte man unter einer über hunderte von Kilometern ausgeprägten Konvergenzlinie wahnsinnige Fluggeschwindigkeiten erzielen, sodass ich nach diesen drei Tagen zwei Flüge mit deutlich über 1.100 km und sogar einen mit 1.250 km in jeweils nur etwa neun Stunden absolvieren konnte. Was für eine Sache!
 

Entlang der Naukluftberge mit Blick in die Wüste Namib
Entlang der Naukluftberge mit Blick in die Wüste Namib


Die darauffolgenden Flüge fanden teilweise bei gewittrigen Wetterlagen oder fast ausschließlich im Blauen statt und fielen deshalb auch etwas kleiner aus. Sie waren aber in keiner Weise weniger beeindruckend oder interessant als die vorherigen Flugtage. Zum Ende der Saison, als auch schon die ersten Flugzeuge im Container verstaut und auf die lange Reise zurück nach Europa vorbereitet wurden, kehrten die Wolken zurück und brachten uns die größeren Flugstrecken wieder – zentral über dem Fluggebiet, sodass man vom Norden bis in den Süden oder auch in den Osten bis nach Botswana problemlos fliegen konnte. Nur der anfänglich gut beschriebene Westen schien dann keine gute Wahl mehr zu sein: Dieser war mit sehr starken Windgeschwindigkeiten bis 60 km/h, Blauthermik und oftmals im Tagesverlauf aufgrund der Trockenheit ausgebildeten Sandstürmen eher benachteiligt. Dieses Windfeld hatte aber auch sein Gutes: An seiner östlichen Grenzlinie bildete sich eine ebenfalls hervorragend nutzbare Konvergenzlinie aus, sodass mir an einem der letzten Tage noch einmal mein längster Flug von über 1.260 km gelang.
 

Bitterwasser Lodge & Flying Centre
Bitterwasser Lodge & Flying Centre


Spuren des Verschleißes würden wohl selbst bei unserer etwas jüngeren Generation bei zehn aufeinander folgenden Flugtagen mit insgesamt 70 Flugstunden auftreten, wenn man denn nicht in Bitterwasser am Boden ein Rundum-Sorglos-Paket bekommen würde: Probleme sind gelöst, bevor sie entstanden sind, jeder ist hilfsbereit und zu all dem wird man noch erstklassig kulinarisch bei hervorragender und sehr interessanter Gesellschaft versorgt. Einfach perfekt. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte!


Hier noch ein paar eindrucksvolle Aufnahmen:

Die berühmte Palmenallee von Bitterwasser
Die berühmte Palmenallee von Bitterwasser

 

Nach der Landung mit Sandsturm im Norden des Platzes
Nach der Landung mit Sandsturm im Norden des Platzes

 

Vor der Gewitterlinie
Vor der Gewitterlinie

 

Briefing in Bitterwasser
Briefing in Bitterwasser

 

Die ersten Flugzeuge werden im Container verstaut und auf die lange Reise zurück nach Europa vorbereitet
Die ersten Flugzeuge werden im Container verstaut und auf die lange Reise zurück nach Europa vorbereitet