Aero-Club Bamberg e.V.
Der Kroatienflug – unsere Reise nach Mali Losinj

Donnerstag, 6. Juni 2019. Der Abflug ist für 9.30 Uhr mit der D-EJFF geplant. Josef Heimler und ich nehmen dieses Jahr am AOPA Flyout zur kroatischen Insel Mali Losinj teil. Es wird kein Formationsflug, die Piloten sind quer über Deutschland verteilt, so dass ein zeitlich flexibles Eintreffen für alle mehr Sinn gemacht hat. Josef hat die Maschine gestern getankt und geprüft. Sie wartet mit randvollen Tanks am Flugplatz auf uns. Mit dem Morgenkaffee sitze ich jetzt um 6.00 Uhr auf meiner Terrasse und schaue in den Himmel. Tiefe Wolkenfelder und Dunst verheißen nichts Gutes. Ein Blick ins GAFOR bestätigt leider den Ausblick. In unserer Gegend überall D und ein Bereich südöstlich von uns Marginal. Ich habe die Hoffnung, dass es sich in den nächsten beiden Stunden bessert. Josef und ich warten auf das GAFOR Update und beobachten den Himmel mit den hartnäckigen, tiefliegenden Wolken, die sich weder auflösen, noch in die Höhe steigern wollen. Und da kommt auch das GAFOR Update, leider ohne Verbesserung. Wir tauschen uns aus und betrachten die Wettersituation auch aus Sicht der Risikoeinschätzung. Ist das Wetter für uns VFR Piloten fliegbar? Wäre es, aber nicht entspannt und mit dem Restrisiko, dass wir nicht über den Bayerischen Wald kommen würden (M mit lokalen Gewittern). Wir beschließen den Flug auf den nächsten Tag zu verschieben.

Gleiche Zeit, gleicher Ort. Himmel schon wieder entmutigend, aber GAFOR schaut besser aus. Also, auf zum Flugplatz, die D-EJFF will Sprit verbrennen. Am Flugplatz nochmal ein Check, drainen und einladen. Kein Unterschied zu einem kurzen Lokalflug, außer, dass wir mehr Gepäck dabei haben. Wir hatten vereinbart, dass wir uns auf dem Hinflug die PIC Rolle teilen. Erste Hälfte bis Wiener Neustadt werde ich dann fliegen. Josef navigiert und funkt. Hanno übernimmt freundlicherweise den Turm für unseren Abflug.
 

Das Cockpit der D-EJFF, mit der wir nach Kroatien geflogen sind
Das Cockpit der D-EJFF, mit der wir nach Kroatien geflogen sind


Türen verriegelt, Treibstoff eingepumpt und Motorstart. Ein Anlassvorgang wie aus dem Bilderbuch. Die PA28-R ist beim Anlassen bekanntermaßen etwas empfindlich. Rollen zum Abflugpunkt, Vollgas und Rotate. Schon sind wir in der Luft auf unserem ca. 5 Stunden Trip nach Kroatien. Hanno eröffnet unseren Flugplan und schon erster Kontakt mit FIS. Wir steigen auf ein paar tausend Fuß, bis der Autopilot übernimmt. Nach dem Austrimmen fliegt die Maschine fast wie von selbst. Das Wetter ist perfekt. Keine Blue Skies, aber CAVOK und viele kleine Wolkenfetzen. Das Wetter bietet auch unseren Augen einen Genuss. Der Ausblick ist traumhaft. Recht ereignislos fliegen wir unsere Strecke ab und hören aufmerksam den Funk. Nach einiger Zeit wird es durch die nun höher stehende Sonne turbulenter, ich suche eine Höhe über der Wolkenuntergrenze und bei FL075 sind wir wieder in ruhiger Luft.

FIS übergibt uns an die Österreicher und langsam nähern wir uns auch schon unserem ersten Zielplatz LOAN, Wiener Neustadt. Der Approach ist durch ein Tal zwischen Hügeln, wir sehen den Platz erst recht spät. Aber dann geht alles schnell. Einkurven in den Gegenanflug, Queranflug, Endteil und Touchdown. Nicht so weich, wie ich es mir erhofft hatte, aber ganz passabel. Am Flugplatz die Formalitäten erledigt, getankt, Landegebühr bezahlt und gleich den Flugplan für das nächste LEG aufgegeben bei der österreichischen Austocontrol. Das System quittiert leider immer wieder mit Fehler, sagt mir aber nicht, welchen. Also Ratespiel, bis ich nach drei Versuchen entnervt aufgebe und dort anrufe. Der freundliche Controller erinnert sich an unsere Kennung und korrigiert für uns den einen Meldepunkt im Ausland, der in seinem System nicht vorhanden war. Perfekt, in 90 Minuten kann es losgehen. Genug Zeit, um die elektronischen Geräte in der Flughafengaststätte zu laden und noch Kaffee zu trinken. Wir besprechen unsere nächsten LEGs, die Josef abfliegen wird und prüfen das Wetter. GAFOR wird grün und blau, auch auf unserer Strecke östlich der Alpen und weiter südlich. Das Wetter ist uns freundlich gesinnt.


Teil 2: Abflug Wiener Neustadt – Slowenien – Kroatien – Mali Losinj

Die Zeit für unseren Weiterflug ist gekommen, der Flugplan lässt nicht gerne auf sich warten. Also ab zum Flieger auf das Vorfeld. Diesmal nehme ich auf dem rechten Sitz Platz. Navigation und Funk sind auf der restlichen Strecke unter meiner Verantwortung. Da ich das AZF und English Proficiency LVL5 habe, entschieden wir uns dafür, dass ich den englischen Funk mache. Der Abflug von Wiener Neustadt ist – wie zu erwarten war – unkompliziert und wir sind auf unserem Weg Richtung Slowenien. Wir wechseln in Österreich schon die Funksprache auf Englisch. Der professionelle Lotse übergibt uns nach kurzer Zeit an den slowenischen Controller. Es ist nicht viel Verkehr in der Luft, so dass wir erneut die wunderschöne Landschaft unter uns genießen können. Ansteigendes Gelände erfordert eine Steigerung unserer Flughöhe. Ich frage zur Sicherheit FL065 beim Controller an, der kurz und knapp mit „Approved“ antwortet. So geht es uns im gesamten Slowenischen Luftraum.
 

Bergseen in Slowenien
Bergseen im österreichischen Voralpenland


Nach nicht allzu langer Zeit passieren wir bereits die Grenze Kroatien und nach Überwindung der Höhenzüge in einer Höhe knapp über der Wolkenuntergrenze mit traumhafter Aussicht sinkt das Gelände ab. Zuerst sind wir uns nicht sicher, was wir am Horizont sehen, aber dann wird es klar: Das Meer. So fliegen wir an der Küste entlang, bis uns der Controller an Mali Losinj übergibt. Die meisten AOPA Flieger sind schon da, wir haben also keinen Stau mehr im Anflug und landen entspannt in südlicher Richtung.

Nachdem der Flieger abgestellt ist, geht es zu den Grenzformalitäten. Absolut unkompliziert und schnell. Nach ca. 20 Minuten waren wir bereits an der bekannten Flugplatzkneipe und konnten unser erstes Bier genießen. Da der Barbesitzer oder sein Bruder auch ein Taxiunternehmen haben, konnten wir das Taxi auch gleich vor Ort organisieren. Mit zwei anderen Besatzungen im Schlepptau sind dann auch die Taxikosten angenehm. Das Hotel Bellevue, in dem wir übernachteten, ist eine absolute Empfehlung. So viel Luxus für € 90,- pro Nacht mit Frühstück habe ich noch nicht erlebt. Kontakt zu anderen AOPA Mitgliedern hatten wir nur wenig, vor allem jedoch bei dem organisierten, gemeinsamen Mittagessen. Den Samstag haben wir in der sehenswerten Hotelanlage verbracht. Ein abendlicher Spaziergang durch die wunderschöne Stadt mit Abendessen rundete unseren Tag vor dem Abflug ab.
 

Das Meer vor Kroatien
Das Meer vor Kroatien


Teil 3: Rückflug Mali Losinj – Klagenfurt – Straubing – Bamberg

Am Sonntagmorgen ist frühes Aufstehen angesagt. Wir wollen rechtzeitig am Flugplatz sein. Das Wetter ist perfekt, nicht CAVOK, eher Clear. Da die Straße zum Flugplatz durch die Drehbrücke um 9 Uhr gesperrt ist, wollen wir vorher noch am Flugplatz sein, um unseren Flugplan einhalten zu können. Mit dem Ergebnis, dass wir viel zu früh sind. Auch die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt. Glücklicherweise können wir durch einen Anruf beim DFS AIS unseren Flugplan kurzfristig vorziehen und dürfen schon in einer halben Stunde abheben. Das ist genau der richtige Zeitraum, um die FF zu beladen und den Außencheck durchzuführen. Voller Vorfreude sitzen wir in der Piper mit drehendem Propeller. Die anderen AOPA Flieger sind gerade erst eingetroffen, sodass wir vor dem Stau sind, den wir unbedingt vermeiden wollten.

„Losinj Info, D-EJFF at Apron. Request Taxi“

„D-EJFF Dobar dan. We have Runway 02 in use. Taxi to Holding Point Runway 02“

Na perfekt, los geht´s. Eine Cessna vor uns noch. Wir machen unsere Checks am Rollhalt und melden „D-EJFF ready for departure“.

„D-EJFF cleared for takeoff Runway 02“

Na dann, los geht’s zum Abflugpunkt. Vollgas und nach einigen Sekunden Rotate für unsere PA28. Noch ein paar freundliche Worte des Dankes an den Controller und wir sind im Steigflug auf dem direkten Weg nach Hause.

Der kroatische Luftraum und dessen Controller sind uns schon wieder extrem freundlich gesinnt. Wir müssen uns an keine VFR Routen oder Restricted Areas halten. Am Sonntag haben alle frei, auch das Militär. So fliegen wir also direkte Luftlinie zum vorbestimmten Grenzübergangspunkt nach Slowenien. Und hier das gleiche nochmal: Kerzengerade ab nach Klagenfurt zum nächsten Zollflughafen. Bis auf einen Flieger, der uns in unserer Höhe exakt entgegenkommt, ist alles ereignislos. Ausgenommen natürlich der herrliche Ausblick und das Erlebnis, wieder in der Luft zu sein. Klagenfurt Approaches erste Meldung „D-EJFF switch to Klagenfurt Radar…..oh na ich seh ja grad, ihr wollt zu uns……D-EJFF continue on present course“. Ein Schmunzeln im Cockpit :) Wir melden uns brav am Meldepunkt und bekommen ohne Verzögerung ein „Cleared to land“. Nach einer schönen Landung auf einer sehr langen Piste stellen wir unseren Flieger mit Führung durch einen Marschaller ab. Das Erlebnis, auf einem großen Flughafen abgefertigt zu werden, hat seine Reize. Nachdem wir die Einreiseformalitäten abgewickelt haben, sind wir wieder an der Maschine und treffen auf dem Vorfeld einen Piloten, der kurz nach uns in Kroatien abgeflogen ist. Ein kurzer Plausch, wie denn der Flug so war und weiter geht es.
 

Die D-EJFF in Klagenfurt
Die D-EJFF in Klagenfurt


Wir sitzen in der D-EJFF, melden uns am Funk ganz nach Vorschrift, jedoch mit einem Zusatz: „Can you send us a Marschaller?“ Es kommt zurück „Wieso braucht ihr einen Marschaller, rollt doch einfach zur Piste“……“Ja, aber er hat seine Holzklötze an den Rädern vergessen“. Nachdem das geklärt ist, rollen wir zum Abflugpunkt, machen unsere Checks und heben nach der Freigabe ab. Kleiner Schock: Das Fahrwerk fährt nicht ein. Hmm, fliegen wir jetzt mit offenen Fahrwerk nach Hause oder landen wir wieder? Aber bei dem zweiten Versuch klappt es und wir sind auf dem Weg.

Die letzte Etappe über die Österreichischen Alpen ist unbeschreiblich schön. Auf FL098 bei schönstem Wetter überqueren wir die hohen Gipfel zu unserem nächsten Ziel: Straubing. Dort ist mächtig was los. Viel lokaler Flugbetrieb und es kommen noch einige aus unserer AOPA Gruppe dazu. Nach der Landung bewundern wir noch einige bemerkenswerte Flieger (Oldtimer, Experimentals, $1-3 Mio. Flieger, usw.). Ein leckerer Kaffee in der Flugplatzgaststätte und weiter geht es zum letzten LEG: Bamberg.
 

Über den Alpen in Österreich
Über den Alpen in Österreich


Nach dem Start suchen wir vergeblich eine Flughöhe mit ruhiger Luft. Das Sommerwetter und die Sonne sorgen für gehörige Turbulenzen. So wackeln wir die letzten paar hundert Meilen nach Hause. Die Meldung in Bamberg ist so etwas wie „Heimkommen“. Ab in die Platzrunde und Landung.

Ein gutes Gefühl, wieder zu Hause zu sein.