Aero-Club Bamberg e.V.
An die Fraktionen des Stadtrats gerichtete Stellungnahme des 1. Vorstandes zur Einführung eines Naturschutzgebietes auf dem Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau

Sehr geehrte Frau Fraktionsvorsitzende,
Sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender,


nachdem das Thema immer aktueller wird und demnächst im Stadtrat behandelt werden soll, wende ich mich an Sie um klarzustellen, dass – entgegen mancher Gerüchte – von unserer Seite als Inhaber der Betriebsgenehmigung sehr wohl gravierende Einwände bestehen, zumal – abgesehen vom momentanen Zeitgeist – auch kein Grund ersichtlich ist, warum gerade jetzt und ohne konkreten Anlass in die seit Jahrzehnten bestehende und funktionierende Symbiose aus Flugbetrieb und schützenswerter Pflanzen- und Tierwelt eingegriffen wird, obwohl letztere in weiten Teilen ohnehin schon gesetzlich geschützt sind!

Die Fliegerei in Bamberg hat eine über 100 Jahre alte Tradition und der Flugplatz Bamberg-Breitenau, der Anfang des letzten Jahrhunderts aus einem Kavallerie-Exerzierplatz hervorging, ist einer der beiden ältesten noch in Betrieb befindlichen Flugplätze in Deutschland. Die besonders seltene Flora und Fauna ist in diesem Bereich gerade deshalb vorhanden, weil sie im Schutzbereich des Flugplatzes liegt und deshalb für eine anderweitige Nutzung geschweige denn Besiedelung gesperrt ist. Der bisherige und der künftige Flugbetrieb stehen damit in der Praxis dem Naturschutzgedanken nicht entgegen!
Ganz im Gegenteil führt die vor kurzem vollendete Umzäunung sogar zu noch besserem Schutz gegen Eingriffe von außen z.B. durch Fahrzeuge, Spaziergänger und Hunde.

Daran soll auch nichts geändert werden! Die derzeitige Schaffung der Voraussetzungen für Instrumentenflugbetrieb dient der Flugsicherheit und ändert am Boden oder der Natur nichts. Wenn aber trotzdem ein Naturschutzgebiet (NSG) über den ganzen Flugplatz gestülpt wird, sind die damit verbundenen negativen Folgen für den Flugbetrieb vorhersehbar, ohne dass eine Verbesserung des ohnehin schon vorhandenen Artenschutzes ersichtlich ist.
Zudem wäre das für die im Eigentum des Aero-Club Bamberg e.V. stehende Teilfläche von gut 33.000 m² ein "Enteignungsgleicher Eingriff", gegen den wir uns ggfs. gerichtlich zur Wehr setzen werden.

Selbst für den Fall der tatsächlichen Einführung eines NSG außerhalb unseres Grundstücks wäre es keinesfalls ausreichend, wenn nur ein kleines, daran anschließendes Gebiet herausgenommen wird, um "künftige Entwicklungen" zu ermöglichen. Denn es ist nicht absehbar, welche Entwicklungen die wachsende Elektro-Mobilität bis hin zu Drohnen und Flugtaxis für den Flugplatz und den Flugbetrieb mit sich bringen werden. Auch ist bisher nicht geklärt, ob nur der jetzt umzäunte Bereich oder der genehmigten Teil des Flugplatzes oder die ganze Konversionsfläche betroffen sind.

Das Hauptproblem liegt in der Beeinträchtigung des künftigen Flugbetriebs, für dessen sichere Durchführung eine Vielzahl von gesetzlichen Vorschriften und europarechtlichen Regelungen zu beachten sind, die mit den dann flächendeckend für das gesamte Gebiet geltenden Vorgaben des Naturschutzes nicht zu vereinbaren sind. Deshalb müssen die aktuell bestehenden und bestandskräftig genehmigten Betriebsflächen (siehe Anlage) in jedem Fall von einem etwaigen NSG ausgenommen werden.

So kann es z.B. nicht sein, dass die vorhandenen drei Gras-Landebahnen wetterunabhängig nur noch zwei bis drei Mal pro Kalenderjahr gemäht werden dürfen, obwohl das – schon immer regelmäßig gemähte – normale Gras luftrechtlich und sicherheitstechnisch dort sehr kurz gehalten werden muss!
Vergleichbares gilt mit anderen Kautelen für die Windenschleppstrecke und die auch daran angrenzenden Abstandsflächen bzw. Schutzstreifen. Es ist heute auch nicht abzusehen, welche Voraussetzungen durch künftige Nutzungsmöglichkeiten, z.B. Elektro-Fluggeräte, erforderlich werden.

Die Asphaltbahn mit ihrem Umfeld ist ebenso davon betroffen, da dort eine regelmäßige Wartung und Pflege mit Kürzung des Bewuchses nicht nur erforderlich ist, um die im Gras verlaufenden Bahnbeleuchtungen sowie die seitlichen Lampengruppen für die Anflugwinkelanzeige (PAPI) frei zu halten.

Zudem sind die dort vorgeschriebenen Sicherheitsstreifen für das überschlagsfreie Rollen im Fall des Ausbrechens bzw. unbeabsichtigten Verlassens der Bahn da, das für hochbeinige Motorflugzeuge anders zu beurteilen ist als für niedrige Segelflugzeuge mit nur einem zentralen Rad oder solche Motorsegler. Tatsächlich  hat sich in diesem Jahr schon ein Unfall mit sechsstelligem Schaden ereignet, weil ein startender Motorsegler mit einer Tragfläche (Spannweite bis 29 m) in dem Bewuchs neben der Bahn hängengeblieben ist.

Irreführend ist der Einwand, dass auf "anderen Flugplätzen" schon ein solches Nebeneinander praktiziert wird, denn auf einem um ein Vielfaches größeren Verkehrsflughafen bestehen ganz andere Voraussetzungen – zumal es auch keinen Segelflugbetrieb gibt. Dort können ganze Bereiche als flugrechtlich ungenutzt definiert und somit brach gelassen werden. Der Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau ist dafür aber zu klein!

Ich biete gern an – am besten vor Ort – weitere Informationen über die Auswirkungen eines NSG auf die Sicherheit des Flugbetriebs in Bamberg zu geben, falls das gewünscht wird, und weise jetzt schon darauf hin, dass der Aero-Club Bamberg e.V. gezwungen wäre, den Flugbetrieb einzustellen d.h. am Platz beabsichtigte Flugbewegungen zu untersagen, sobald sich eine aktuelle Kollision von Naturschutz und Flugsicherheit ergibt. Das kann und darf nicht das Ergebnis sein!

Wir sind Inhaber der Betriebserlaubnis für den Flugplatz und im Rahmen eines langfristigen Geschäftsbesorgungsvertrages mit der Stadt Bamberg bzw. der Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH für den gesamten dortigen Flugbetrieb zuständig. Nicht erst in dieser Funktion achten wir – wie auch schon in den Jahren vor der Konversion, wie der Ist-Zustand belegt – stets auf den Schutz der Natur am Flugplatz.

Nochmals zur Klarstellung: Die Argumentation läuft hier in die falsche Richtung, denn es geht nicht um eine Veränderung des bestehenden Flugplatzes zu Lasten der Natur, sondern um grundlose Einschränkung der Sicherheit des bereits bestehenden Flugbetriebes, obwohl dieser seit Jahren die dortige Natur nicht beeinträchtigt sondern begünstigt! Welchen Vorteil soll dem gegenüber das angedachte NSG haben?

Nicht zuletzt wird so auch unser Vereinszweck eingeschränkt, wenn nicht gar gefährdet, der die Förderung und Ausbildung Jugendlicher im Rahmen des Luftsports nicht nur zum Ziel hat, sondern konkret mit einer Flugschule fördert, die den letztjährigen Deutschen Meister bei den Junioren in der Clubklasse hervorgebracht hat, der in diesem Jahr bei der Junioren-Weltmeisterschaft Dritter geworden ist.
 

Mit freundlichen Grüßen

Hanno Stock
1. Vorsitzender


Betriebsflächen des Flugplatzes Bamberg-Breitenau:

Betriebsflächen des Flugplatzes Bamberg-Breitenau