Aero-Club Bamberg e.V.
Ein CD-Ausflug zur nördlichsten Landewiese Italiens

Nach Sterzing/Vipiteno, der nördlichsten Stadt Italiens, wollte ich schon lange. Auch weil von namhaften Bamberger Piloten*innen behauptet wurde, da oben am Brenner könnte man ja gar nicht landen. Der Stadt wurde 1281 von Graf Meinhardt II von Tirol das Stadtrecht verliehen, also auch kulturell durchaus interessant!
 

Sterzing
Sterzing


So nahmen Gabriel als PIC und ich diese Aufgabe in Angriff. Das erste Leg führte uns ohne besondere Höhepunkte nach Reutte/Tirol zum Tanken. Die fast pausenlose Funkerei auf FIS Langen machte eine Unterhaltung im Cockpit schwierig. Reutte ist ein kleiner Platz am Lech, in prächtiger Landschaft gelegen. Der Anflug ist für Flachländer gewöhnungsbedürftig, führt das Downwind für die Runway 04 doch hinter einem Berg vorbei. Der Flugplatz ist dann nicht mehr sichtbar. Unter uns Wald und links und rechts Berge. Reutte wird bei sommerlichem Hochdruckwetter stark von Talwindsystemen beeinflusst. Am Morgen Bergwind talaus-, mit einsetzender Thermik talaufwärts. Landegebühr €15,00 für Motorsegler eher teuer, verglichen mit Sterzing, weil dort €0,00.
 

Ötztaler Wildspitze (3768m)
Ötztaler Wildspitze (3768m)


Das zweite Leg nach Sterzing führte uns von Reutte mit Südkurs ins Inntal bei Imst und weiter über den Venetberg, der am Eingang des Engadins steht, zum Reschensee. Eigentlich wollten wir weiter zum König Ortler. Der hatte aber wegen Südwindeinfluss und dem damit verbundenen Einfließen feuchter und verschmutzter Luft aus der Poebene sein hohes Haupt in Wolken gehüllt. Deswegen der Entschluss, über die hohen, vergletscherten Ötztaler Berge Weißkugel, Similaun, Wildspitze mit prächtigem Ausblick nach Osten zu fliegen. Sinkflug über den Jaufenpass hinaus ins Wipptal, rechts ein schöner Blick hinunter ins berühmte Meran.
 

Landewiese in Sterzing
Landewiese in Sterzing


Sterzings Landewiese hatte recht hohes Gras mit einem ca. 5m breiten, gemähten Landestrip; unsere Propellerspitzen wurden beim Rollen richtig grün! Keine Tankmöglichkeit. Das Städtchen mit ca. 7.000 Einwohnern bietet vielfältige gute Übernachtungsmöglichkeiten. Deutsch ist die vorherrschende Sprache.
 

Unsere D-KACD in Sterzing
Unsere D-KACD in Sterzing


Beim Rückflug am nächsten Tag über den Brenner durch die CTR Innsbruck machten wir einen Abstecher ins Karwendelgebirge, zur Birkkarspitze und zu den Laliderer Wänden, die als schwierige Wände in der Geschichte des Alpinismus bekannt sind. Von dort mit Nordkurs über Hinterriss, Heimat von Ludwig Thoma, den Walchensee und den Ammersee mit Blick auf Bayerns heiligen Berg Andechs (sehr gutes Bier!) hinaus nach Jesenwang, Runway 400m, zum nochmaligen Tanken. Über den Rückflug nach Bamberg gibt es nicht viel zu berichten, außer dass wir recht tief flogen und Ruhe im Cockpit hatten, weil nicht auf FIS.
 

Die Birkkarspitze ist mit 2749m der höchste Berg im Karwendelgebirge
Die Birkkarspitze ist mit 2749m der höchste Berg im Karwendelgebirge


Doch noch was! Wir überflogen Pappenheim. "Ich kenn doch meine Pappenheimer" hat Wallenstein gesprochen. Gesamtflugzeit ca. sechs Stunden. Ein empfehlenswerter Ausflug für Piloten mit Alpenflugerfahrung!
 

Walchensee
Walchensee


Nachtrag von Gabriel Draghici:
Ein paar technische Details zu unserem Flug möchte ich hier noch nennen. Die CD ist sehr bergtauglich; sie steigt willig und erreicht mühelos FL 120 und mehr! In Reutte sollte man das Anflugverfahren so exakt wie möglich einhalten, da das Lechtal sehr eng wird und zeitweise starker Segelflugverkehr herrscht. Nach Sterzing kann man jederzeit fliegen, braucht aber PPR dorthin, da hin und wieder das Militär vor Ort ist. Es herrscht reger Segelflugbetrieb und die Leute sind unheimlich hilfsbereit! Der Flugplan lässt sich problemlos auch über Austro Control per Internet oder Telefon aufgeben oder klassisch über Milano.