Aero-Club Bamberg e.V.
Ein Kindheitstraum wird wahr

Tage vor der Prüfung 
Ab der Anmeldung zur Prüfung stieg nicht nur die Anspannung, sondern vor allem die Vorfreude, denn ich war meinem Ziel noch nie so nah. Die zu planende Flugroute sollte ich erst am Prüfungstag erhalten. Dennoch gab es noch einiges vorzubereiten, u.a. das Abfliegen der vorherigen Prüfungsrouten. Ab nach Hetzles, von dort direkt weiter nach Herzogenaurach und wieder zurück. Ich hatte noch zwei Wochen bis zum Prüfungsflug, also buchte ich unsere kleine Cessna jeweils samstags und sonntags, um noch so viel wie möglich zu üben. Nach dem letzten Übungsflug war ich guter Dinge für die Prüfung. Ein paar Hausaufgaben hatte ich noch, wie das Einprägen der Lufträume und das Durchgehen der Checkliste mit den Notverfahren.

Prüfungstag
Prüfungsvorbereitung 
Der Tag der Prüfung war gekommen und ein Flugleiter organisiert. Danke an dieser Stelle noch einmal an Josef Heimler, der freundlicherweise für mich die Flugleitung übernahm. Meine Flugroute war wie erhofft von Bamberg nach Hetzles. Als Ausweichflughafen sollte ich Herzogenaurach einplanen. Der Flugdurchführungsplan inklusive Spritberechnung und weight&balance war schnell erstellt und die Route in die Karte eingezeichnet. Der Wettergott hatte auch erbarmen, sodass die Prüfung stattfinden konnte. Gedanklich ging ich die Route und den Anflug nach Herzogenaurach durch, was ich zum Glück das Wochenende zuvor geübt hatte.
Eine knappe Stunde vor der Prüfung bereitete ich den Flieger vor, ging in Ruhe die Checkliste durch und tankte die Maschine wie zuvor berechnet. Als der Prüfer kam, war ich startklar. Trotz der Anspannung verspürte ich Vorfreude und Stolz: Nach fast zwei Jahren war ich nur noch wenige Stunden von meinem Schein zum PPL(A) Piloten entfernt. 

Prüfung
Vorflugkontrolle
Die Prüfung begann damit, dass ich mit meinem Prüfer zusammen die Vorflugkontrolle durchführte. Ich arbeitete die Checkliste Schritt für Schritt ab und der Prüfer stellte mir dazu Fragen. Beispielsweise wollte er wissen, wann ich die Positionslichter am Flugzeug einschalte. Da die Antwort „bei Nacht“ lautete, hakte er gleich nach, wie „Nacht“ definiert sei. Durch die Prüfungen der vorangegangenen Flugschüler wusste ich, dass mein Prüfer gerne diese Frage stellte und konnte somit prompt entgegnen: „Die Zeit zwischen Ende bürgerlicher Dämmerung bis Beginn der bürgerlicher Dämmerung und einem Sonnenstand von sechs Grad unter dem Horizont.“ Weiter ging es mit dem Staurohr und dem Einlass für den statischen Druck. Hierbei sollte ich erklären, wie diese für die einzelnen Instrumente voneinander abhängig sind und welche Auswirkungen ein Defekt zur Folge habe. Dank der guten Vorbereitung durch Michael Schumacher konnte ich auch diese Eventualitäten logisch erläutern. Nachdem ich dem Prüfer abschließend darlegte, welche Antennen für welches Instrument zuständig waren, konnte es losgehen.
 
Prüfungsflug 
Nun hieß es: Anschnallen, alles zurechtlegen und die Checkliste durchgehen – alle elektronischen Verbraucher aus, alle Sicherungen gedrückt, Avionik aus, Hauptschalter und Generator ein, Strobelight (Beacon) ein, Kraftstoffvorrat prüfen, Vorwärmung kalt (gedrückt), Gashebel gezogen, Gemisch reich (gedrückt), Außenbereich frei und Magnetschalter ein! Die kleine Cessna schnurrte wie gewohnt und ich meldete mich beim Funk an. Da es der Wind zuließ, entschieden wir uns für die Startrichtung 03. Nach dem Magnettest und den weiteren Punkten auf der Checkliste rollten wir zum Abflugpunkt Piste 03. Start frei: „D-BA startet Piste 03.“
Als wir die Platzrunde Richtung Osten verlassen hatten, nahm ich meinen berechneten Kurs Richtung Hetzleser Berg auf. Der Prüfer kontrollierte, ob ich Kurs und Höhe halten konnte. Da es an diesem Tag etwas labil war, musste ich mich konzentrieren, immer in der richtigen Höhe zu bleiben. Nach kurzer Zeit erreichten wir den kleinen Flugplatz am Hetzleser Berg, bei dem ich einen Anflug in die Platzrunde simulieren sollte. Als wir über dem Flugplatz waren, sollte ich die IFR Brille aufsetzen und mit dieser einige Kurven fliegen. Da ich das Fliegen nach Instrumenten vorher geübt hatte, meisterte ich dies problemlos. Als ich die Brille abnahm, hatte der Prüfer das Flugzeug auf den Gegenkurs zum Ausweichflugplatz Herzogenaurach gebracht. Meine Aufgabe war es nun, das Flugzeug wieder auf Kurs zu bringen und Richtung Ausweichflugplatz zu fliegen. Nach kurzer Orientierung nahm ich Kurs nach EDQH auf. Der Flug nach Herzogenaurach bereitete mir große Freude, sodass ich gelassen in die Platzrunde fand. Hier sollte ich einen „touch and go“ durchführen. Nach dem Durchstarten verließ ich die Platzrunde und nahm Kurs auf das VOR Erlangen. Inbound Kurs eingedreht und los ging es. Als wir über dem VOR waren, folgte ein outbound Kurs, sodass wir in Richtung Burg Feuerstein steuerten. In der Nähe des Platzes nahm der Prüfer auf einmal das Gas raus und ließ mich eine Ziellandeübung aus unbekannter Position durchführen. Erfolgreich erreichte ich die Landebahn. Die eigentliche Landung war etwas holpriger, also Gas rein und durchstarten. Mein Prüfer entschied sich dazu, mich noch ein paar Platzrunden drehen zu lassen. So musste ich eine normale Landung mit und eine ohne Klappen ablegen. Als wir mit diesen fertig waren, ging es zurück Richtung Bamberg. Über der Friesener Warte überraschte mich der Prüfer wieder und zog das Gas raus. „Wo kommt der Wind her? Einmal landen!“ Aufgrund der Flugvorbereitung und des Blickes auf die Windräder in der Nähe wusste ich, dass der Wind aus nördlicher Richtung kam. Entsprechend flog ich die Ziellandeübung und erreichte die Friesener Warte. Kurz vor dem Aufsetzen starteten wir wieder durch und steuerten zurück nach EDQA. Eine Sache auf der Prüfungsliste fehlte dem Prüfer offensichtlich noch, sodass er von mir zwei Steilkurven links und rechts sowie eine Stall- und Langsamflugübung verlangte. Mit einer Kurzlandung schloss das Prüfungsprogramm ab.
 
Prüfungsende
Wir rollten zur Tankstelle, wo ich den Flieger entsprechend der Checkliste abstellte. Jegliche Anspannung viel von mir ab und Freude machte sich in mir breit, denn ich hatte die Prüfung bestanden. Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung: Ich bin Pilot! Der Plan für den ersten Flug war bereits geschmiedet. Dieser ging mit meiner Frau nach Würzburg-Schenkenturm mit einem Rundflug über das wunderschöne Würzburg, die Stadt, in der wir uns kennengelernt haben.
 

Unser Flug nach Würzburg
Unser Flug nach Würzburg

 

Auf dem Schenkenturm
Auf dem Schenkenturm