Aero-Club Bamberg e.V.
Giro d'Italia anstatt Tour de France

Schon seit einiger Zeit planten Simon Reißenweber und ich einen Ausflug nach Frankreich. Ich habe meine fliegerischen Wurzeln in Frankreich und hatte auch damals während meines Frankreich-Aufenthalts meine Privatpilotenlizenz nahe Paris erworben. Für unsere Planung suchten wir noch einen dritten Piloten, welcher auch Auslandserfahrung besitzt. Nach kurzem Überlegen fiel uns der Name Willy Seucan ein, welcher mit seiner Zusage nicht zögerte, obwohl er erst von einem Südfrankreich-Trip zurückgekommen war. Also planten wir unsere Rundreise Richtung La Rochelle, Ile d’Oleron, Vannes (Bretagne, Wohnort meiner Schwiegereltern), San Malo, Deauville, Le Touquet, alles Normandie, dann wieder Richtung Heimat.

Doch wie bei fast allem im Jahr 2020 machte uns Corona auch hier einen Strich durch die Rechnung; so wurde Frankreich mehr und mehr zum Risikogebiet erklärt. Deshalb mussten wir drei Tage vor Abflug umplanen: Der Norden fiel durch ein stabiles Wettertief aus und Kroatien, Tschechien oder die Slowakei waren ähnlich wie Frankreich Corona-technisch vorbelastet, also blieb uns nur der Weg über Österreich nach Italien. So planten wir Bamberg-Klagenfurt-Venedig-Bari-Elba-Bamberg.
 

Unsere Flugstrecke
Unsere Flugstrecke


Am Montag, dem 7. September, trafen wir drei uns bei CAVOK-Wetter über Bamberg mit einem mulmigen Gefühl, da sich jeder im Vorfeld über das heutige Flugwetter Richtung Klagenfurt erkundigt hatte. Wir waren uns schnell einig, dass dieses Leg nicht stattfinden konnte. Es galt, die Route viel östlicher zu gestalten, eventuell wäre ein Weg über Vilshofen nach Wien eine Option. So beschlossen wir, erstmal nach Vilshofen zu fliegen, um von dort aus das Wettergeschehen weiter zu beobachten und danach zu entscheiden, ob wir doch wieder umkehren müssen oder weiter an den Alpen vorbei dem sonnigen Italien entgegenfliegen können. Nach dem kurzen Flug von ca. 50 Minuten aßen wir Mittag (in dem nebenbei bemerkt guten und günstigen Restaurant) und machten einen kleinen Stadtspaziergang in Vilshofen.

Als wir wieder an den Platz kamen, stellten wir fest, dass wir an diesem Tag Klagenfurt abschreiben konnten, jedoch Wien eine Option wäre, denn am nächsten Tag konnte man laut Vorhersagen fast problemlos von Wien weiter Richtung Italien fliegen. So nahmen wir Kurs Richtung Wiener Neustadt und landeten nach etwa einer Stunde und 15 Minuten Flugzeit. Das besondere des Wiener GA Platzes ist die Firma Diamond Aircraft: Hier konnten wir sehr viele der DA40, DA42 und DA62 auf dem Vorfeld sehen, jedoch leider keine der neuen DA50RG, schade. Nachdem wir die D-EJFF getankt und verzurrt hatten, suchten wir uns in der Nähe ein Hotel und ließen den ersten (nicht so erfolgreichen) Tag ausklingen.

Der Dienstagmorgen versprach gutes Flugwetter und wir konnten unser Abenteuer fortsetzen. Als nächstes Leg beschlossen wir Wien-Venedig anzugehen. Während dieses Legs ergaben sich Bilder auf FL85, welche sonst nur auf Linienflügen zu sehen sind und welche wir nicht so schnell vergessen werden. Links die Bergspitzen Sloweniens und rechts die ersten Italiens.
 

FL85 in Richtung Adria
FL85 in Richtung Adria


Weiter flogen wir dann über Triest und Grado und kamen an die Adria, welcher wir dann schnurstracks zu den Stränden der beliebten Urlaubszielen wie Lignano, Bibione, Caorle und Lido di Jesolo bis hin zur Lagune Venedigs folgten.
Der Anflug auf Venedig Lido, den GA Flugplatz Venedigs, ist ebenfalls sehr zu empfehlen: Im rechten Gegenanflug konnte man die historische Altstadt mitten in der Lagunenlandschaft entdecken.
 

Venedig
Venedig


Wir landeten, tankten und beschnupperten die nähere Umgebung des Flugplatzes. Wir sind der Meinung, dass man auch hier ruhig 1-2 Nächte bleiben könnte, doch hatten wir durch den ersten Tag schon Zeit auf unser finales Ziel Elba verloren und beschlossen, auch Bari aufzugeben und nach Pescara einen weiteren Urlaubsort (jedoch weiter oben) Italiens anzufliegen, auch da es dort AVGAS gibt. Der Flugplatz (oder Flughafen) Pescaras, welcher unter anderem auch von RyanAir angeflogen wird, hat eine sehr lange Bahn und auch das Handling, Terminal und das ganze Drumherum ließ internationales Airliner-Feeling spüren. Pescara sollte der Aufenthalt unserer zweiten Nacht sein, bevor wir dann Italien von Ost nach West kreuzten, um dann als Ziel dieses Ausflugs Elba anzufliegen.
 

Pescara
Pescara


Als etwas besonderes galt der Überflug vom Festland zum Endteil der Piste 16 des Flugplatzes Marina di Campo auf Elba. Hier dachte man, man würde auf St. Barth in der Karibik landen, mitten durch eine Bergkette und dann schräg in das kurze Endteil, wirklich spannend und fantastisch.
 

Anflug auf Elba
Anflug auf Elba


Elba als Urlauberinsel hat enorm viel zu bieten, besonders Wanderer kommen hier auf ihre Kosten. Apropos Kosten: Der Liter Avgas kostet hier 3,19 €.
So blieben wir hier zwei Nächte, machten etwas Sightseeing und besuchten den höchsten Berg der Insel, den Monte Capanne mit seinen 1.019 Metern. Das besondere hierbei ist die Seilbahn in Form von Gitterkörben.
 

Seilbahn auf den Monte Capanne
Seilbahn auf den Monte Capanne


So vergingen die beiden Tage auf der Insel wie im Fluge und wir mussten uns auf den Heimweg machen. Schon während den beiden Tagen schauten wir immer wieder in die Wettervorhersagen, ob uns diesmal die Alpen nicht im Stich lassen und uns das fliegerische Highlight der Reise gewähren würden, diese auf direktem Wege zu überqueren.
 

Blick vom Monte Capanne
Blick vom Monte Capanne


Am Freitagmorgen, dem Tag unserer Abreise, zeigte sich der Wetterbericht gnädig, sodass wir die Routenplanung auf direktem Heading Nord ausrichten konnten. Der Flug direkt über die Toskana, Bozen, Brenner, Innsbruck, Garmisch war unbestritten das Highlight dieses Ausfluges und man konnte sich nicht sattsehen an der Schönheit der Alpen.
 

Alpenlandschaft
Alpenlandschaft


Nach etwas mehr als drei Stunden landeten wir nochmal kurz in Augsburg, um nochmal etwas Sprit mitzunehmen, bevor wir uns schließlich auf das letzte kleine Leg zurück nach Bamberg machten.

Die Eindrücke dieser Tage werden uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben und wir werden noch lange von Wolken und Sonnenauf- und untergängen auf Elba träumen...
 

Die Sonne am Horizont auf Elba
Die Sonne am Horizont auf Elba