Aero-Club Bamberg e.V.
Infoveranstaltung über die Entwicklungen auf der Breitenau

Am gestrigen Donnerstag, dem 12. Dezember 2019, fand in der Gaststätte „Zum Fliecher“ eine öffentliche Informationsveranstaltung über die Zukunft des Flugplatzes statt. Hauptsächlich ging es um die Umsetzung des beschlossenen Anflugverfahrens nach Instrumentenflugregeln (IFR) und um die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf der Breitenau.

Donnerstag, 12. Dezember 2019. Die Vereinsgaststätte „zum Fliecher“ in der Zeppelinstraße ist gut besucht. Neben Vereinsmitgliedern, Anwohnern umliegender Gemeinden und den regulären Gaststättenbesuchern ist Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke zusammen mit Vertretern der Stadtwerke, der städtischen Naturschutzbehörde, dem Planungsbüro Project Airport und der Firma Brose anwesend. Starke eröffnet die Informationsveranstaltung; es geht um die Entwicklungen auf der Breitenau, konkret um das geplante Instrumentenflugverfahren und das Naturschutzgebiet. Er betont, dass eine gute Lösung gefunden werden soll, die die Interessen der vier am stärksten betroffenen Parteien Aero-Club, Naturschützer, Brose und Anwohner vereint. „Der Flugplatz war das Beste, was der Natur auf der Breitenau passieren konnte“, so Starke zum Thema Naturschutz, „da sie sich hier im letzten Jahrhundert ungehindert entwickeln konnte.“ Durch den fortwährenden Flugbetrieb der letzten Jahrzehnte wurde eine Bebauung des Flugplatzes mit Wohnhäusern oder einem Industriegebiet verhindert, somit wurde die Natur von baulichen Entwicklungen größtenteils verschont und sich selbst überlassen.

Karsten Rupp erläutert die baulichen Veränderungen, die das beschlossene IFR-Anflugverfahren notwendig macht. Der Planer der Firma Project Airport, die mit der Einrichtung der Instrumentenflugausrüstung auf dem Flugplatz beauftragt wurde, erklärt, dass je eine Anflugbefeuerung an jedem Ende der Bahn gebaut werden soll. Diese zeige anfliegenden Piloten bei schlechter Sicht, wo sich die Landebahn befindet, wodurch sichere Anflüge bei geringer Sichtweite ermöglicht werden. Die IFR-Befeuerung werde nur im Bedarfsfall für die Dauer des An- bzw. Abfluges aktiviert und leuchte nicht ständig, zudem gehe auch in eingeschaltetem Zustand keine Blendwirkung von ihr auf umliegende Gemeinden aus, so wie sie früher vom Drehfeuer der US-Armee verursacht wurde. Bis auf wenige Lichtmasten, die sich an der Zeppelinstraße befinden sollen, bleiben sämtliche Einrichtungen komplett innerhalb des Flugplatzgeländes. Der Schutzstreifen, eine gemähte Grasfläche, die neben der Asphaltbahn verläuft und bei Start und Landung ausbrechenden Flugzeugen zusätzliche Sicherheit bietet, werde von 45 auf 90 Meter (gemessen ab der Bahnmitte) verbreitert. Hierzu müssen aber keine neuen Flächen versiegelt werden; lediglich das Gras neben der Bahn werde auf dieser Breite gemäht. Der Eingriff, den das Mähen dieser Grasstreifen verursacht, werde durch den Rückbau einiger Asphaltflächen im Süden des Flugplatzes (Teile der ehemaligen Betriebsflächen der US-Armee) ausgeglichen.

Christian Vohl, Flugbetriebsleiter der Firma Brose, erklärt, dass ein IFR-Verfahren in Bamberg Flugbewegungen bei Wetterbedingungen ermöglichen werde, bei denen nicht mehr problemlos nach Sicht geflogen werden kann. So könnten Flugzeuge, die für Flüge nach Instrumentenflugregeln ausgerüstet und zugelassen sind, bei vergleichsweise geringer Sichtweite in Bamberg landen und müssten nicht zu einem IFR-fähigen Flugplatz ausweichen. „Es macht für die Anzahl der Flugbewegungen in Bamberg keinen Unterschied, ob ich gleich hier lande oder den Flieger erst am nächsten Tag nach Hause hole“, so Vohl. „Es bleibt in beiden Fällen bei einer einzigen Landung in Bamberg.“ Die Betriebszeiten, zu denen die Firma Brose fliegt, bleiben trotz IFR unverändert: Nach wie vor werde es zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr keine Flugbewegungen geben. In der morgendlichen und der abendlichen Dunkelheit könne mittels des sogenannten Night-VFR auch jetzt schon nach Sichtbedingungen geflogen werden, das IFR-Verfahren erhöhe bei solchen Flügen aber die Sicherheit. Wenn es ohne erhöhtes Sicherheitsrisiko möglich ist, fliegen die Piloten von Brose generell VFR. Der Aero-Club Bamberg hat keine Flugzeuge mit IFR-Zulassung und ist bei der Nutzung der IFR-Einrichtungen außen vor.

Dr. Jürgen Gerdes von der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Bamberg stellt auf der Breitenau die größte offene Sandfläche in der weiteren Umgebung fest. „Sandmagerrasen ist als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sehr wertvoll und wesentlich seltener als beispielsweise der Lebensraum Wald, weswegen wir aktiv gegen die Verbuschung auf der Breitenau vorgehen“, so Gerdes. Auf mageren Böden gebe es generell eine höhere Artenvielfalt als auf nährstoffreichen Böden, da auf reichen Böden die am schnellsten wachsenden Pflanzenarten anderen Arten die Nährstoffgrundlage entzögen, bevor diese gedeihen könnten. Die Bodenarmut bringe neben den zahlreichen Pflanzenarten eine vielfältige Fauna mit sich: Dutzende Arten von Vögeln, Eidechsen, Kröten, Fledermäusen und Insekten seien auf der Breitenau beheimatet. Durch Maßnahmen wie Entwaldung und Entbuschung werde also der ökologische Wert der Flächen erhöht. Auf den Ausgleichsflächen, die für die zu mähenden Schutzstreifen zu schaffen sind, werden die Samen derjenigen Pflanzen angesät, die an anderen Stellen am Flugplatz natürlich vorkommen. Einige Pflanzen wie beispielsweise Heidekräuter werden aus dem Schutzstreifen in die Ausgleichsgebiete umgepflanzt. Die einheimische Tierwelt werde unter anderem durch Fledermauskästen gefördert.
Den Erhalt dieses artenreichen Ökosystems schreibt auch er zweifelsfrei der Nutzung der Breitenau als Flugplatz zu. Die Pflege der Flugbetriebsflächen (Segelflug-Landebahnen, Windenschleppstrecke, Schutzstreifen) betreibe der Aero-Club nach eigenem Ermessen. Um Flugsicherheit und Naturschutz zu vereinen, sollen diese Flächen so spät wie möglich, aber so früh wie nötig gemäht werden.

Peter Scheuenstuhl von den Stadtwerken merkt an, dass für die Zukunft vermehrte Flugbewegungen der Bundespolizei angekündigt sind. „Für die zusätzliche Lärmbelastung können weder die Stadtwerke, noch der Aero-Club, noch die Firma Brose etwas – das ist Bundessache“, so der Abteilungsleiter der Verkehrs- und Park GmbH. Der Plangenehmigungsbescheid der Regierung von Mittelfranken für das IFR-Verfahren sei im Rathaus und im Aero-Club für die Öffentlichkeit einsehbar.

Jonas Merzbacher sind vor allem zwei Dinge wichtig: Der Bürgermeister von Gundelsheim möchte zum einen keinen Nachtflug, zum anderen, dass der Status des Flugplatzes als Sonderlandeplatz erhalten bleibt. Keines dieser Anliegen ist durch die aktuellen Entwicklungen gefährdet.

Nach einer allgemeinen Fragerunde beendet Oberbürgermeister Starke die Veranstaltung und wünscht allen Anwesenden eine besinnliche Weihnachtszeit.