Mit Adolf Nüßlein verliert der Aero-Club Bamberg, insbesondere die Modellflugsparte, einen außergewöhnlichen Menschen, leidenschaftlichen Tüftler, erfolgreichen Wettbewerbspiloten und vor allem einen Freund, Mentor und Förderer, der über Jahrzehnte hinweg Generationen von Modellfliegern geprägt hat.
Die Begeisterung für das Fliegen packte ihn bereits in jungen Jahren, als er als Lehrling in einem Papierladen in der Bamberger Gartenstadt die ersten Flugmodelle aus Papier entdeckte. Der entscheidende Moment folgte im Alter von 22 Jahren: Bei einem Ausflug beobachtete er einen Modellflieger am Himmel und lernte dabei Schorsch Schönig kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.
Damals war Modellflug noch eine ganz andere Herausforderung – geflogen wurde mit sogenannten „Pendlern“, bei denen immer nur ein Pilot gleichzeitig fliegen konnte. Später kamen Quarzanlagen zum Einsatz, doch auch hier waren Überschneidungen der Frequenzen stets ein Risiko und sorgten nicht selten bei Wettbewerben für spannende Momente. Seinen ersten Wettbewerb bestritt Adolf in Teuschnitz und belegte den 17. Platz. Das war der Beginn einer beeindruckenden sportlichen Laufbahn: Mehr als 700 Wettbewerbe bestritt er im Laufe seines Lebens. Besonders beliebt waren für ihn die Wettbewerbe in der damaligen Hochburg München sowie der traditionsreiche Karl-Pfeiffer-Pokal auf der Wasserkuppe.
Bei diesen Wettbewerben galt es, nach einem Schlepp mit einem 100 Meter langen Schleppseil 200 Sekunden Flugzeit möglichst exakt zu erreichen und anschließend punktgenau auf der Landemarkierung zu landen. Maximal waren so 250 Punkte möglich (200 Zeit, 50 Ziellandung) – ein Ergebnis, das Adolf mehrfach erreichte und damit sein außergewöhnliches Können unter Beweis stellte.
Seine Erfolge sprechen für sich:
- 51-mal erster Platz
- 54-mal zweiter Platz
- 56-mal dritter Platz
Hinzu kamen zahlreiche weitere hervorragende Platzierungen bei Wettbewerben. Auch auf nationaler Ebene gehörte Adolf zur Spitze des deutschen Modellflugs; bei der Deutschen Meisterschaft erreichte er 2002 den zweiten und 2006 den dritten Platz.
Doch nicht nur als Pilot setzte Adolf Maßstäbe, denn seine außergewöhnliche Schaffenskraft zeigte sich auch im Modellbau. Seit 1996 fertigte er 1093 Flugmodelle an – bereits in den Jahren zuvor waren rund 300 weitere Modelle entstanden. Sein erstes selbstgebautes Modellflugzeug war eine Super Constellation mit einer Spannweite von 120 cm. Jedes einzelne Modellflugzeug zeugte von handwerklichem Können, Liebe zum Detail und unermüdlicher Leidenschaft.
Noch wertvoller als seine sportlichen Erfolge war jedoch sein Wirken als Mensch. Adolf Nüßlein war über Jahrzehnte ein unermüdlicher Förderer der Jugend und ein Vorbild für unzählige Modellflieger. Sein enormes Fachwissen teilte er jederzeit bereitwillig. Wenn niemand mehr weiterwusste, hatte Adi fast immer noch einen Tipp, eine Idee oder eine Lösung. Uneigennützig half er jedem, der Rat oder Unterstützung benötigte. Seine Hilfsbereitschaft, seine Bescheidenheit und seine Menschlichkeit machten ihn weit über die Region hinaus zu einer hoch geschätzten Persönlichkeit in der Modellfliegerszene.
Mit seiner Leidenschaft, seinem Wissen und seinem Engagement hat Adolf Nüßlein den Modellflug über Jahrzehnte geprägt. Sein Wirken wird in den Vereinen, auf den Flugplätzen und in den Erinnerungen vieler Menschen weiterleben.
Adolf Nüßlein hinterlässt eine große Lücke. Sein Lebenswerk und seine Begeisterung für die Fliegerei werden unvergessen bleiben.
