Aero-Club Bamberg e.V.

Flugplatz Bamberg-Breitenau

SA / SO / Feiertags

9:00 - SS (max. 19:00 Uhr) lcl

+49 951 45 1 45

Erreichbar bei Flugbetrieb

Zeppelinstraße 18

96052 Bamberg

Von der Bucht von Kotor über Mittelmeer und Atlantik in die Normandie

Nachdem letztes Jahr uns ein Klappendefekt den Flug unmöglich gemacht hatte, wollten wir es dieses Jahr erneut angehen. Als Start war das Pfingstwochenende geplant. Auf die erste Nachfrage an den Flughafen Tivat (LYTV) zwecks eines Platzes, das Flugzeug abzustellen, bekamen wir zunächst für dieses Wochenende eine Absage; erfreulicherweise kam dann doch drei Tage später die Zusage.

Nachdem es in Tivat leider kein AVGAS gibt, beschlossen wir, auf dem Hinweg in Maribor (LJMB) eine technische Landung durchzuführen, um zu tanken und die grenzpolizeiliche Abfertigung durchzuführen – in Montenegro zahlt man zwar mit Euro, es ist aber weder Mitglied der EU noch des Schengenraums. Von Tivat nach Dubrovnik zum Tanken ist es zwar nur ein Katzensprung, aber 150€ Handling sind doch eher abschreckend!

Leider stellte sich das Wetter für Samstag mit Untergrenzen bei 3500ft und Obergrenzen bei FL 130 eher unfreundlich dar. Zwar sollte das Wetter am Sonntag und Montag nach Durchzug der Kaltfront besser werden, aber dafür die Nullgradgrenze von FL100 auf 5000ft fallen. Wozu aber hat man ein Instrument-Rating!

Also D-ETUK bepackt und am 07.06.2025 in EDQD mit Z-Flugplan gestartet. Mit Erreichen der IFR-Freigabe in 5000ft befanden wir uns dann auch in IMC. Um nicht in Vereisungsbedingungen zu kommen, planten wir das Routing über Linz, querab Wien und Graz nach Maribor. Bis querab Wien befanden wir uns dann auch wechselweise between layers und in solid IMC. Erfreulicherweise stieg die Temperatur sukzessive an und wir konnten für einen Shortcut kurz nach Wien auf 10000ft steigen. Ab Graz waren wir dann in CAVOK und nach 2:12 setzten wir auf dem Flughafen Maribor auf, wo außer uns noch einige GA Flieger und Schulungen unterwegs waren.

Dort wurden wir umgehend zur Grenzkontrolle gebracht, während der Flieger betankt wurde. Mit 31€ Landegebühren und 2,54€/l AVGAS ist LJMB durchaus als Stopover zu empfehlen.

Nach der obligatorischen Sicherheitskontrolle waren wir 30 Minuten später wieder mit Flugplan in der Luft und flogen über Zagreb, Mostar südöstlich an Dubrovnik vorbei. Leider bekamen wir im kroatischen Luftraum keine Freigabe zum Descend und mussten dann in Montenegro angekommen fast einen Absturz von 11000ft auf Meereshöhe hinlegen. Dort angekommen wurden wir vom Marshaller zu unserem Abstellplatz geleitet und mit mobilen Tiedowns festgemacht. So freundlich wird man als GA Pilot selten auf einem internationalen Flugplatz mit mäßigem Linienverkehr behandelt.

Am Flughafen übernahmen wir den über Check24 gebuchten Mietwagen und fuhren um die östliche Bucht zu unserer über Booking gebuchten Unterkunft Radimiri in Ljuta. Diese Unterkunft ist absolut zu empfehlen, hat man doch eine schöne Ferienwohnung mit direktem Zugang zur Bucht mit einer Mole, auf der Liegestühle und Sonnenschirme schon bereitstanden. Erhitzt bei 32° wurde sich zuerst in das ca. 23° warme Wasser der Bucht gestürzt. Von Ljuta aus fährt alle 30‘ ein Bus sowohl in die alte Kapitänsstadt Perast als auch nach Kotor.

Als nächstes Ziel hatten wir uns die Calanques, sozusagen Kalksteinfjorde unweit von Marseille vorgenommen. Als Flugplatz wurde der Aéroport du Castellet (LFMQ), direkt neben einer Formel-1-Rennstrecke, ausgewählt. Wir kontaktierten den unkontrollierten Flugplatz per Mail, auch mit der Bitte, uns einen Mietwagen zur Verfügung zu stellen. Dies wurde uns positiv beschieden und so fuhren wir am 11.06.2025 wieder nach Tivat, um weiter zu fliegen.

Dort wurden wir wieder zuvorkommend an den Schlangen der eincheckenden Linienfluggäste vorbei durch die Security geschleust und zum Flugzeug gebracht. Die Kosten für alles mit 133€ für Landung, Handling und 4 Tage Parken auch OK.

Als weiteren Flugweg hatten wir eine Zwischenlandung auf Krk in Rijeka (LDRI) zur EU-Immigration und zum Tanken (36€ Landung, AVGAS 2,71€/l) und dann weiter quer über Istrien, Chioggia VOR, Bologna, Genua nach LFMQ geplant. Wegen der Weltozeankonferenz bestand über Nizza ein Restricted Airspace, weshalb wir den Anflug auf LFMQ über die Voralpen nördlich von Nizza planten.

Nach wieder ausgesprochen freundlicher Behandlung in Rijeka kam dann der Anruf aus LFMQ, dass unser Landing Request zurückgewiesen sei. Wir hätten die Landung 24h PPR anmelden müssen, damit der Zoll kommt. Ich wies den AFISO darauf hin, dass wir auch bzgl. des Mietwagens bereits vor 3 Tagen unseren Landing Request gestellt hatten und dass wir aus dem Schengenraum kommend auch gar keinen Zoll brauchten. Diese Diskussion war jedoch fruchtlos. Uns wurde mitgeteilt, dass wir uns statt auf welcome@aeroportducastellet.com auf operations@aeroportducastellet.com hätten anmelden müssen und außerdem Start- und Landeanforderungen mit Flugplan mittels https://cy.myhandlingsoftware.com bzw. ohne Flugplan mittels https://www.touchngo.fr zu stellen seien. Dementsprechend sollen wir erst am Folgetag kommen. Als Kompromiss könnten wir jedoch 15nm östlich in Cuers (LFTF) landen und dann als innerfranzösischer Flug nach LFMQ kommen. Die Franzosen können durchaus bürokratischer sein als die Deutschen!

Also in Rijeka wieder ins Flugzeug und dann Richtung Frankreich. Wegen des restricted Airspace in Nizza wurden wir südlich um Nizza herum gevectored und kamen nach 3:09 in LFTF an.

Ein riesiger Platz mit 1900 x 30m Piste ohne AFIS und nur minimalem Verkehr. Also die letzten Brocken Französisch ausgepackt, Positionsmeldungen abgesetzt, gelandet und zum Aeroclubhäuschen gerollt. Nach 10€ Landegebühr waren wir wieder in der Luft und 15 Minuten später in LFMQ, wo schon der Mietwagen mit laufender Klimaanlage bereit stand. Hier ist zu empfehlen, den Mietwagen schon vorher über Check24 oder Booking bei AVIS zu buchen; kostet etwa die Hälfte einer Buchung vor Ort.

Als Bleibe hatten wir uns eine Ferienwohnung in Cassis ausgesucht, die am Rande der Fußgängerzone liegt. Cassis ist ein hübscher Ort, der in der Hauptsaison ziemlich überlaufen sein soll – Anfang Juni war das aber kein Problem. Von Cassis aus starten Ausflugboote in die Calanques, wo man bis zu neun Calanques abfahren kann; aber die drei in der Nähe von Cassis sind eindeutig die schönsten! Bei einem Ausflugsangebot kann man auch vor einem der höchsten Felsen Europas schwimmen, was wir in Anspruch nahmen. Bei wieder mehr als 30° Außentemperatur war das Wasser mit ~21° eine angenehme Erfrischung.

Nach 3 Tagen in der sehr schönen südlichen Provence wollte meine Frau gerne einen Wanderweg an der Costa Brava gehen und wie heißt es doch: „happy wife – happy life!“

Nachdem die spanischen Aena-Plätze horrende Handlinggebühren verlangen und in Ampuria brava eine Infrastruktur mit Mietwagen fehlt, wurde beschlossen, nach Perpignan (LFMP) an der französisch-spanischen Grenze zu fliegen, einen Mietwagen zu nehmen und nach Spanien zu fahren.

Beim Weiterflug zeigte sich Le Castellet wieder einmal von der hässlicheren Seite. Nach dem Anlassen wollte ich zur Tankstelle rollen, um ein paar Liter zur Sicherheit zuzutanken – immerhin 3,16€/l. Da wies mich der AFISO hin, dass ich eine Rollfreigabe bräuchte ??? Auch seitens der Parkgebühren von 48€/Nacht nicht unbedingt ein Schnäppchen! Bei Betrachtung des Nobelschuppens: außen hui, innen …

Dafür ist Perpignan wieder umso besser. Auch hier gemischter Betrieb mit RyanAir, Easyjet und Co. Aber die GA ist herzlich willkommen. Der Tankautomat nimmt mittlerweile auch übliche Kreditkarten und mit 2,54/l kann man sich das Tanken auch leisten. Die Operations bitten darum, den Flug per AeroPS anzumelden. Das Parken ist auf dem GA Apron nordöstlich des Terminals. Nach dem Verzurren des Fliegers kann man den GA Apron über eine Drehtüre verlassen und ist gleich am Terminal, um den vorher reservierten Mietwagen zu übernehmen.

Wir wohnten in dem hübschen Ort Collioure etwa 23km südöstlich von Perpignan und fuhren am nächsten Tag dann die etwa 100km an die Costa Brava. Wer kulturorientiert ist, kann auch kurz nach der Grenze nach Figueres in das sehr sehenswerte Dali Museum fahren, das in einem alten Theater nach Plänen des Meisters untergebracht ist.

Aufgrund der hohen Außentemperaturen entschieden wir uns dann doch gegen die Klippenwanderung, schauten uns einen botanischen Garten an und fuhren klimatisiert an der spektakulären Küste entlang wieder zurück nach Frankreich. Nicht auslassen sollte man dabei das Cap Creu wo in Portlligat, einem Ortsteil von Cadaquès, das Wohnhaus von Dali steht. Wer von dort auf den Hafen schaut, erkennt ihn von Dalis Bildern wieder.

Als nächstes Ziel war die Belle Île-en-mèr in der Bretagne (LFEA), auf der wir vor zwei Jahren schon einmal waren, angesetzt. Hier musste die Planung aber etwas aufwändiger sein, da nach einem SUP dort aktuell ein restricted airspace eingerichtet ist. Bei Durchsicht des SUPs war ich wieder einmal für meinen Französischunterricht in der Schule dankbar, sind die SUPs in der Grande Nation doch nur in Französisch. Diesem war zu entnehmen, dass diese Beschränkungen nur von 1000-1430 UTC aktiv sind. Also vorher hin.

Schnell noch einmal die NOTAMs gecheckt – alles klar. Sicherheitshalber rief ich noch einmal am Flugplatz an, ob es  Parkmöglichkeiten für unseren Flieger gibt – im Sommer kommt gerne die Pariser Haute Volée auf die Bell Île. Dort erfahren wir, dass entgegen dem NOTAM vom Vortag die Piste am 19.06. gesperrt sei. Wenig später war dann auch das NOTAM publiziert.

Also statt drei nur zwei Übernachtungen auf der Belle Île. AeroPS für LFMP (34€ Landegebühr und zwei Tage Parken) bezahlt. Mit der Rechnung erhält man auch den Code für das Schloss, mit dem man ohne Sicherheitskontrolle etc. wieder auf den GA Apron kommt.

Nach exakt 3h setzten wir in LFEA auf. Auch hier zu diesem Zeitpunkt hier keine AFIS, doch die extrem netten Platzbetreiber waren da. Sicherheitshalber wieder etwas getankt (2,71€/l). Wie kommt man aber nach Le Palais, dem Hauptort der Insel, wenn aktuell keine Taxis verfügbar sind?

Auch hier hilft der nette Platzbetreiber weiter und organisiert einen Shuttle und Mietwagen über den dortigen Supermarkt Super U (39€/Tag). So gerüstet geht es zum Quartier in Le Palais. Am nächsten Tag Fahrt über die Trauminsel, bei der sich steile Klippen und Sandstrände abwechseln, und Baden im mit 19° deutlich kühleren Atlantik.

Am 18.06. etwas früher aufstehen, da der Mietwagen abzugeben ist und wir ja bis 1000 UTC die restricted airspaces verlassen haben müssen. Landegebühr 11€, zwei Tage Parken 16€ – so hat man das gerne!

Das nächste Leg geht nach Rouen (LFOP). Ein riesiger Flughafen mit Terminal und allem Drum und Dran – leider aber praktisch leer. Taxis sind auch in Rouen relativ rar. Deshalb bereits im Anflug, als Internet verfügbar war, Uber zum Flugplatz bestellt, der dann auch zeitgleich mit uns eintraf. Auch in Rouen ausgesprochen freundliche Behandlung der GA.

Rouen ist eine tolle alte französische Stadt. Im Juli und August gibt es faszinierende Lichtshows auf der beeindruckenden Kathedrale, die Claude Monet zu allen Jahreszeiten gemalt hat. Auch der Marktplatz mit einer architektonisch interessanten Kirche, wo Johanna von Orleans 1431 als Ketzerin verbrannt wurde, ist sehenswert. Wer sowohl Monet als auch Gärten liebt, kann sich in Rouen einen Mietwagen nehmen und etwa 45 Minuten zu Monets Garten nach Giverny fahren, wo die Seerosenbilder entstanden.

Am nächsten Morgen vor dem Rückflug noch auf dem Markt Gemüse und Fisch eingekauft, der mit einer reichlichen Portion Eis in einem Isolierbeutel verpackt wird und wieder mit Uber zurück zum Flugplatz. Landegebühr (43€) gezahlt, getankt (2,34€/l) und mit Flugplan Richtung Heimat. Über Belgien wurden wir um einen militärischen restricted airspace gevectored und landen um 13:34 UTC nach insgesamt 23h Blockzeit wieder in Bayreuth.

Es war wieder einmal eine beeindruckende Reise, die die Vielfalt Europas zeigt.

Gesamte Flugroute

Zwischenstop in Maribor

Bucht von Kotor von oben

Und von unten

Castellet von außen hui

Eine Calanque

An der Costa Brava

Flugplatz LFEA

Klippen auf Belle Île

Rouen von oben

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner