Aero-Club Bamberg e.V.
Chronik
1909 Friedrich Harth, ein Regierungsbaumeister der Stadt Bamberg, unternimmt seine ersten Gleitflugversuche auf dem Ludwager Kulm. Mit seinem Schüler Willy Messerschmitt, dem Sohn eines Bamberger Weingroßhändlers, baut er Segel- und Leichtmotorflugzeuge.
1912 Mit der Grade II Libelle und dem Sachsen Doppeldecker sind die ersten Motorflugzeuge in Bamberg zu sehen.
1917 Der damalige Exerzierplatz des 5. Bayerischen Infanterie-Regiments wird zu einem Militärflugplatz umgebaut und als Kriegsfliegerschule genutzt. Im Endstadium des Ersten Weltkrieges befindet sich eine Militärfliegerschule mit 90 Flugzeugen für insgesamt 100 Flugschüler mit einem Personalstand von 323 Mitarbeitern auf der Breitenau.
1918 Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges soll die Breitenau auch für die zivile Luftfahrt zur Verfügung stehen.
1920 Auf der Breitenau werden alle militärischen Gebäude (Flugzeughallen, Unterkünfte) abgerissen. Lediglich der Kugelfang des Schießstandes bleibt stehen. Dieser wird in den 1990er Jahren in die Liste der geschützten Denkmäler aufgenommen.
1922 Willy Messerschmitt trennt sich von seinem Lehrmeister Harth und gründet in Bamberg eine eigene Firma namens Messerschmitt Flugzeugbau GmbH.
Im selben Jahr wird die Segelflug-Studiengesellschaft ins Leben gerufen, die kurze Zeit später in Deutscher Luftfahrerverband – Ortsgruppe Bamberg umbenannt wird und sich 1926 in den Deutschen Luftfahrerverein und die Oberfränkische Verkehrsfluggesellschaft aufspaltet. In Zeiten wirtschaftlicher Not geht die Verkehrsfluggesellschaft zugrunde; der hauptsächlich im Segelflug engagierte Luftfahrerverein droht, sich ebenfalls aufzulösen.
1925 Die historische Segelflugzeughalle wird errichtet. Sie wird bis 2014 zur Unterstellung der vereinseigenen Segelflugzeuge genutzt.
1926 Eberhard von Conta und Werner von Langsdorff starten in Bamberg und überqueren mit der Messerschmitt M17 zum ersten Mal die Alpen, bevor sie weiter nach Rom fliegen. Bei diesem Flug stellt von Conta einen Höhenrekord von 5.000 Metern auf.
Der Flugplatz Bamberg-Breitenau ist eine der Stationen des Deutschlandflugs. Der Kunstflugpilot und ehemalige Jagdflieger Ernst Udet ist einer der Ehrengäste.
1927 Willy Messerschmitt verlegt seine Fabrikation nach Augsburg. Mit der noch in Bamberg entwickelten M18 schafft er die Grundlagen für seinen späteren Großserienbau von Metallflugzeugen wie beispielsweise der berühmten Me-108 oder der legendären Me-109.
1930 Mithilfe der Stadt Bamberg und aus dem Nachlass von Luftfahrerverein und Verkehrsfluggesellschaft wird die Fluggemeinschaft Bamberg gegründet und 1933 dem Deutschen Luftsportverband einverleibt – der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus. Der Flugsport dient nun zunehmend der vormilitärischen Ausbildung, der Flugplatz Bamberg-Breitenau dient während des Krieges als Außenlandeplatz für Militärflugzeuge.
1945 Nach Kriegsende belegen die Heeresfliegereinheiten der US-Armee das Gelände. Die private Fliegerei ist in Deutschland verboten.
8. Juni 1949 Der Aero-Club Bamberg wird im Bamberger Zimmer der Brauerei Schlenkerla unter dem Decknamen Wander-Club Friesener Warte ins Leben gerufen mit dem Ziel, hinter verschlossenen Türen Segelflugzeuge und eine Startwinde zu bauen und Modellflug zu betreiben.
12. Dezember 1951 Die Umbenennung des Vereins in Aero-Club Bamberg erfolgt kurz nach der Wiederlegalisierung des Segelfluges.
19. Juni 1952 Da die US-Armee eine Mitnutzung des Flugplatzes Bamberg-Breitenau genehmigt, darf der Aero-Club Bamberg den Segelflugbetrieb mit den eigenen Flugzeugen beginnen.
1955 Unsere Vereinsmitglieder Albert Otto, Franz Dioszeghy, Adolf Haaß, Joseph Hofmann und Jean Weghorn fliegen die ersten Streckensegelflüge mit mehr als 50 km Distanz in der Geschichte der Breitenau und qualifizieren sich für das FAI-Leistungsabzeichen in Silber. Sie fliegen mit einem B-Spatz, einer Mü 13 E und einem Grunau Baby IIIb von Bamberg jeweils nach Uffenheim, Haßlach, Edensfeld, Bindlach bzw. Nürnberg.
Der Motorflug wird in Deutschland wieder gestattet, woraufhin sich im Aero-Club Bamberg mit einem aus der Schweiz stammenden Motorflugzeug des Typs Comte AC-4 die Motorflugsparte bildet.
Für unsere Modellflieger erringt Adalbert Müller die Bayerische Meisterschaft.
1958 Im Sommer begeistert der erste Großflugtag die Bevölkerung aus Stadt und Land.
1961 Unsere Vereinsmitglieder Rudolf Weigmann und Herman Welzel gewinnen auf der vereinseigenen Motormaschine AC-4 beim Deutschlandflug den Burda-Preis der Lüfte, eine Piper J-3C. Dieses Flugzeug wird der Grundstock der vereinseigenen Motorflugschule.
Im selben Jahr legen legen Pioniere der US-Armee eine separate Startbahn für den Segelflugstart an.
1963 Unser Vereinsmitglied Jürgen Eichelsdörfer fliegt den ersten Streckensegelflug mit mehr als 300 km Distanz in der Geschichte der Breitenau, wodurch er eine der Bedingungen für das FAI-Leistungsabzeichen in Gold erfüllt. Er fliegt mit einem L-Spatz 55 von Bamberg nach Freiburg.
1969 Zum 20-jährigen Vereinsjubiläum 1969 kehrt Prof. Dr.-Ing. E.h. Willy Messerschmitt, bis zu seinem Tode 1978 Ehrenmitglied des Aero-Clubs Bamberg e.V. nach Bamberg zurück, um die Festrede zu halten, in der er Bamberg als "Startbahn seines Lebens" bezeichnet.
Im selben Jahr wird die Grenze der ADIZ, einer Flugüberwachungszone, die als Puffer um die deutsch-deutsche Grenze angelegt worden ist, nach Norden verlegt. Damit kann der Flugplatz Bamberg-Breitenau ohne vorherige Aufgabe eines Flugplans angeflogen werden.
Der Bamberger Stützpunkt der Luftrettungsstaffel Bayern wird ebenfalls in diesem Jahr begründet.
1. Juli 1973 Zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Bamberg 1973 richtet der Aero-Club Bamberg einen Großflugtag mit 3-stündigem Flugprogramm aus, dessen Höhepunkt die Kunstflugstaffel The Macaws der Royal Air Force ist. 15.000 Zuschauer erleben an diesem Tag die Faszination Fliegen.
1977 Einem tschechischen Flugzeugmechaniker gelingt in einem Sprühflugzeug eine spektakuläre Flucht aus dem Ostblock. Seine Familie hatte er während des gesamten Fluges im Sprühtank untergebracht. Er landet auf dem ersten Flugplatz, der auf seiner Flugstrecke liegt: dem Flugplatz Bamberg-Breitenau.
1979 Im Rahmen der Feierlichkeiten 70 Jahre Luftfahrt – 30 Jahre Aero-Club finden sich tausende von Menschen auf dem Flugplatz Bamberg-Breitenau ein, um dem Großflugtag beizuwohnen.
1980er Anfang der 1980er Jahre gesellt sich zu den bisherigen Sparten des Vereins – Segelflug, Motorflug, Motorsegler und Modellflug – eine weitere: die Sparte Ultraleicht. Sie wird zum Jahresende 2019 geschlossen.
1987 Unser Vereinsmitglied Franz Ott erfliegt auf einer PIK-20E den Weltrekord in der Kategorie weiteste Strecke zu einem vorher angegebenem Ziel in einem Segelflugzeug mit Hilfsmotor. Er fliegt im Hangwind entlang der Appalachen zu seinem 650 km entfernten Ziel im Süden.
1989 Der Aero-Club Bamberg veranstaltet das erste Oldtimertreffen. Dessen Erfolg gibt den Anstoß, dieses Fest regelmäßig alle zwei Jahre abzuhalten. Diese Tradition wird bis 2009 fortgeführt.
1992 Unser Vereinsmitglied Franz Ott erfliegt zum zweiten Mal den Weltrekord in der Kategorie weiteste Strecke zu einem vorher angegebenem Ziel in einem Segelflugzeug mit Hilfsmotor. Er fliegt mit einer ASW 22BE von Uvalde zu seinem 800 km entfernten Ziel im Norden.
1996 Der Aero-Club Bamberg trägt den 55. Deutschen Segelfliegertag aus. Segelflugpiloten aus ganz Deutschland versammeln sich in der Bamberger Konzert- und Kongresshalle, um Fachvorträge zu hören und Kenntnisse über die neuesten Forschungsergebnisse aus Meteorologie, Luftrecht, Flugnavigation und Aerodynamik und deren praktischer Anwendung im Streckensegelflug zu erwerben. Hersteller stellen hier ihre technischen Neuerungen im Flugzeugbau und in der Fluginstrumentierung vor.
1997 Der Aero-Club Bamberg erwirbt etwa 3 ha des Vorfeldes und des Grundes, auf dem unsere Gebäude und Hallen stehen, von der Bundesvermögensverwaltung.
Dezember 1998 Die Landebahn wird auf 1190 Meter verlängert. Werksflugverkehr mit Düsenflugzeugen wird aufgenommen.
2003 Der Aero-Club Bamberg veranstaltet ein Oldtimertreffen, bei dem die legendäre Junkers Ju 52 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder auf dem Flugplatz Bamberg-Breitenau landet.
Die Querlandegasse 32 wird wieder zugelassen.
Dezember 2004 Durch den Bau von Überrollstrecken wird die Landebahn auf 1.290 Meter verlängert.
2005 Die German Historic Flight veranstaltet am Flugplatz Bamberg-Breitenau ihre Jahreshauptversammlung. Bei dieser Gelegenheit landen in Bamberg über 60 Oldtimerflugzeuge und über 100 weitere Flugzeuge an einem Wochenende.
2011 Vom 28. bis 31. Juli trägt der Aero-Club Bamberg die Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft aus.
2012

Nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte und rund 100 Jahren militärischer Nutzung mit der ICAO-Kennung ETEJ wird der Flugplatz Bamberg-Breitenau nunmehr ausschließlich zivil genutzt und bekommt vorübergehend die ICAO-Kennung EDEJ. Die ehemaligen US-Gebäude im Süden des Flugplatzes werden vom Aero-Club Bamberg übernommen.
Unsere Segelflieger steigen in die deutsche Bundesliga auf.

2013 Für die Entschärfung zweier Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden Flugplatz und umliegende Wohnsiedlungen weiträumig evakuiert. Die Bomben wurden im Zuge des Konversionsverfahrens für die zivile Nutzung entdeckt. Die Entschärfung verläuft erfolgreich und ohne Schäden.
Die Baumaßnahmen zur Erneuerung, Verbreiterung auf 23,5 Meter und Unterflurbefeuerung der Asphaltbahn sind beendet. Der Flugplatz wird als ziviler Sonderlandeplatz unter den neuen ICAO-Kennung EDQA wiedereröffnet. Die Landerichtungen der Asphaltbahn werden wegen der Änderung des Erdmagnetfeldes von 04/22 auf 03/21 korrigiert.
2014-2016 Sämtliche Vereinsgebäude werden abgerissen. Das Vereins- und Betriebsgebäude, der Turm und die Flugzeughalle werden neu gebaut.
2015 Mit dem sensationellen vierten Platz erreichen wir das beste Ergebnis unserer Vereinsgeschichte in der deutschen Segelflug-Bundesliga.
2017 Der Flugplatz Bamberg-Breitenau wird für Luftfahrzeuge bis zu einem maximalen Abfluggewicht von zehn Tonnen zugelassen.
2018 Die Segelflug-Schleppstrecke wird gedreht, sodass sie annähernd parallel zur Asphaltbahn verläuft. Die Schleppstrecke wird nicht weit genug gedreht, um die Orientierung unserer Graspisten am Erdmagnetfeld signifikant zu ändern – unsere Landerichtungen bleiben auf Gras nach wie vor 04/22.
2019 Anstelle des geplanten Instrumentenflug-Verfahrens nur für Helikopter soll nun ein solches auch für Flächenflugzeuge eingeführt werden, nachdem eine Änderung der EU-Richtlinien dies möglich macht. Im Zuge dieses Verfahrens wird das Flugplatzgelände komplett umzäunt.
Die Stadt Bamberg stellt bei der Regierung von Oberfranken den Antrag, einige Flächen des Flugplatzes Bamberg-Breitenau zum Naturschutzgebiet zu erklären.